Quartalszahlen
US-Firmen vor desaströser Berichtssaison

Heute Abend legt Alcoa seine Quartalszahlen vor. Das ist traditionell der Start der Berichtssaison. Doch was Börsianer und Anleger in den kommenden Wochen bevorsteht, ist alles andere als alltäglich. Denn alles deutet auf historische Wendemarke hin. Und es wäre falsch zu glauben, dass das nicht auch Deutschland betrifft.

DÜSSELDORF. Amerikas Unternehmensgewinne und-renditen sind im abgelaufenen Geschäftsjahr kräftig zusammengeschrumpft. Dafür sorgt schon allein das miserable Schlussquartal: Die Konzerne erlitten nicht mehr nur Gewinneinbrüche, wie es in schweren Krisen eigentlich immer üblich war. Die Unternehmen rutschten im vierten Quartal in ihrer Gesamtheit durchschnittlich in die Verlustzone - das erste Mal seit Beginn der Datenreihe im Jahr 1936. Vor 73 Jahren hatte der Finanzdatenspezialist S&P mit entsprechenden Aufzeichnungen begonnen.

Doch immerhin: Dank ihrer drei starken Branchen Öl, Pharma und Technologie präsentieren sich die 100 größten US-Konzerne im Gesamtjahr besser als ihre europäischen Wettbewerber. Das belegen die gerade veröffentlichten Bilanzen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2008. Demnach sanken die Nettogewinne im Schnitt "nur" um 11,5 Prozent und die Umsatzrenditen von 6,2 auf nunmehr 5,2 Prozent.

Angesichts des dramatischen Konjunktureinbruchs im zweiten Halbjahr sind das fast noch Spitzenwerte. In Europa und ganz besonders in Deutschland werden die vergleichbaren Bilanzkennzahlen sehr viel stärker einbrechen. Die Einbußen dürften mehr als doppelt so hoch ausfallen und die Renditen deutlich unter die Fünf-Prozent-Marke sinken. Auf dem alten Kontinent haben noch nicht alle Unternehmen ihre Geschäftsberichte präsentiert.

Doch ganz so viel besser, wie es auf den ersten, oberflächlichen Blick erscheint, stehen Amerikas Großkonzerne nicht da. Vielmehr "erkauften" sie sich die relativ milden Einbußen - die Wirtschaft schrumpfte so stark wie seit den frühen achtziger Jahren nicht mehr - mit außerordentlichen Produktionssprüngen: Die Umsätze legten 2008 um 11,5 Prozent zu. Das ist fast doppelt so viel, wie es dem Durchschnitt in den vergangenen 50 Jahren entspricht.

Verantwortlich ist ein ruinöser Wettbewerb vor allem in der gebeutelten Autoindustrie. General Motors und Ford fuhren zusammen 45 Mrd. Dollar Nettoverlust ein, behaupteten sich im Umsatzranking aber beide auch weiterhin unter den Top 10. Solche Schieflagen zwischen Umsatz auf der einen und Gewinn und Rendite auf der anderen Seite sind beispiellos. GM verbrannte mit jedem Dollar Umsatz 20,7 Cent. Mehr noch: Das abgelaufene Geschäftsjahr war keineswegs ein böser Ausrutscher. 2007 und 2008 belief sich der Nettoverlust bei GM zusammen auf 69,6 Mrd. Dollar.

Sondereffekte mildern den Gesamtabschwung bei den Top 100 ab. "Der Ölsektor hat den Markt bislang gerettet", sagt Neil Dwane, Investmentchef von RCM, einer Tochtergesellschaft von Allianz Global Investors. Ohne dessen Erlöse wären die Gewinne der US-Größen doppelt so stark gefallen. Allein Exxon Mobil und Chevron fuhren unter dem Strich fast 70 Mrd. Dollar Gewinn ein. Ursache war ein Rohölpreis von bis zu 150 Dollar pro Fass bis zum Sommer vergangenen Jahres. Nachdem sich die Notierung aber binnen weniger Wochen bis zum Spätherbst gedrittelt hatte, schrumpften sofort die Gewinne. Exxon verdiente im vierten Quartal 33 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Bei einem Ölpreis von gegenwärtig 55 Dollar drohen den erfolgsverwöhnten Ölmultis 2009 mindestens ebenso herbe Einbrüche wie den meisten anderen Unternehmen.

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