Quartalszahlen
Welche Branchen es besonders trifft

Drei Negativ-Branchen schälen sich heraus: Stahl, Automobil und Chemie leiden unter der Krise am stärksten. Das belegen die dramatischen Gewinnrückgänge und pessimistischen Ausblicke aus den Firmenzentralen. Gemessen daran erscheinen die radikal zusammengestrichenen Erwartungen der Analysten immer noch optimistisch.

DÜSSELDORF. „Einen derart abrupten Einbruch wie in den letzten Monaten habe ich während meiner gut 40 Berufsjahre noch nie erlebt“, sagte Vorstandschef Ekkehard Schulz vom Stahlhersteller Thyssen-Krupp schon auf der Hauptversammlung im Januar. Analysten senkten daraufhin in den letzten drei Monaten ihre Gewinnschätzungen um 60 Prozent.

Selbst das erscheint ambitioniert. Denn neben drastischen Nachfrageeinbrüchen im Werkstoff- und Autozuliefergeschäft verhageln hohe und steigende Kosten für den Stahlwerksbau in Brasilien und die Walzstahlwerke in Alabama die Bilanz. Wenn sich die Nachfrage nicht belebt, könnte das Geschäftsjahr einen Verlust bringen. Genau das deutete Konkurrent Salzgitter bereits an. Unternehmenschef Wolfgang Leese kündigte auf der Bilanzpressekonferenz für die ersten sechs Monate rote Zahlen an. „Nur wenn sich die Konjunktur im zweiten Halbjahr spürbar belebt, können wir im Gesamtjahr eventuell ein ausgeglichenes Vorsteuerergebnis erreichen“, fügte Lesse hinzu. Wer daran nicht glaubt, muss sich nach 677 Mio. Euro Gewinn im Vorjahr nun auf einen Verlust einstellen.

Dasselbe gilt für die beiden Automobil-Premiumhersteller. Während Analysten bei BMW bereits einen Verlust im Gesamtjahr einkalkulieren, rechnen sie bei Daimler durchschnittlich „nur“ mit einem scharfen Einbruch von 71 Prozent. Das wäre aber immerhin noch ein Gewinn von 500 Mio. Euro.

Dabei lässt Konzernchef Dieter Zetsche keinen Zweifel daran, dass zumindest das Auftaktquartal rote Zahlen beschert. Weder Mercedes noch die Kleinwagenmarke Smart entziehen sich dem Abwärtstrend. In der Lkw-Sparte schrumpften die Aufträge in den ersten drei Monaten gar um zwei Drittel. Zwar erwartet Daimler im zweiten Halbjahr eine vorsichtige Erholung. Doch großer Unsicherheitsfaktor bleibt der amerikanische Autobauer Chrysler. Daimler schrieb seine Beteiligung daran zwar längst auf Null ab. Das heißt aber nicht, dass daraus nicht noch weitere Verluste drohen.

Kein Ende der Talfahrt sieht BASF. Der weltgrößte Chemiehersteller begann als einer der ersten vor dem Abschwung dramatisch zu warnen. „Ich gehe davon aus, dass die schlimmsten Zeiten noch vor uns liegen“, bleibt Konzernchef Jürgen Hambrecht pessimistisch.

Der Pessimismus deckt sich mit einer Studie von Horváth & Partners zu den Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Managementberatung wertete dazu die Antworten von 201 Unternehmen aus, darunter gut ein Drittel Dax- und MDax-Unternehmen. Die Studie liegt dem Handelsblatt vor. Demnach vermuten drei Viertel der Befragten, dass die Krise noch länger als ein Jahr dauert. 16 Prozent gehen davon aus, dass die Auswirkungen bis 2011 oder länger spürbar sind. Während Banken, Versicherungen und IT-Firmen damit rechnen, dass sich ihr Geschäft bald erholt, erwarten Chemie-, Pharma-, Telekommunikations-, Medien- und Dienstleistungs-Unternehmen noch starke Einbrüche.

„Viele Unternehmen unterschätzen immer noch die Krise“, sagt Studienleiter Jens Ekopf. Das lässt sich daran ablesen, dass zwar über 80 Prozent der Befragten den Umsatz der jeweils eigenen Branche sinken sehen. Doch wenn es um den eigenen Umsatz geht, folgen nur 67 Prozent dieser Einschätzung. Gar 51 Prozent der Unternehmen sehen sich selbst nicht in der Krise. Gleichzeitig beklagen jedoch 67 Prozent einen schwächeren Auftragseingang. som

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