Querschuss
Schaeffler gefährdet Conti-Refinanzierung

Ein Querschuss des Schaeffler-Vertrauten Rolf Koerfer verunsichert die Banken. Die Kapitalerhöhung bei Conti soll zwar kommen, aber sie könnte deutlich geringer ausfallen als geplant. Das stellt Contis gesamte Umschuldung in Frage.
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MÜNCHEN/HAMBURG. Unmittelbar vor dem Vertragsabschluss torpediert ein Querschuss aus dem Lager des Großaktionärs Schaeffler die Refinanzierung des hochverschuldeten Autozulieferers Continental. Im schlimmsten Fall könnte der Vorstoß die dringend benötigte und mit den Gläubigern vereinbarte Umschuldung gefährden, erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen.

Knackpunkt ist der Umfang einer für Anfang 2010 vorgesehenen Kapitalerhöhung. Danach plant Conti die Ausgabe neuer Aktien im Gegenwert von einer bis eineinhalb Milliarden Euro. In einer Sitzung des Aufsichtsrats am Dienstag hatte Contis Vorstandschef Elmar Degenhart über den Stand der Vorbereitungen berichtet.

Im Umfeld der Sitzung kam es jedoch zum Eklat, berichteten Beteiligte. Contis ehemaliger Chefaufseher Rolf Koerfer, Rechtsberater und enger Vertrauter von Familienunternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler, habe im Namen des Großaktionärs die Anzahl neuer Aktien auf rund 30 Mio. Stück zu begrenzen versucht, hieß es.

Vertreter des Familienunternehmens befürchten offenbar, dass die Ausgabe von mehr als 30 Mio. neuen Aktien einerseits den eigenen Conti-Anteil zu sehr verwässern würde. Andererseits würde Conti bei einer geringeren Aktienzahl und angesichts des Kurses und des üblichen Abschlags bei einer Kapitalerhöhung nicht die für die Refinanzierung benötigte Summe von einer Mrd. Euro einnehmen.

Dieser Wert ist aber als Minimum fixiert in den neuen Verträgen mit Contis 59 Gläubigerbanken, die bis heute unterschrieben werden müssen und die Kreditlaufzeit verlängern. Die beteiligten Banken würden wegen zehn bis 20 Mio. Euro weniger den Deal nicht platzen lassen, deutlich darunter dürfte der Wert aber nicht liegen, hieß es in Finanzkreisen.

Noch ist offen, ob sich der Schaeffler-Vertraute Koerfer mit der Begrenzung der Kapitalerhöhung durchsetzen kann. „Es ist noch nichts entschieden“, sagte ein Sprecher von Schaeffler auf Anfrage, wollte sich aber nicht weiter äußern.

Parallel dazu drängen die Banken darauf, dass Conti eine Hochzinsanleihe begibt, die ein Volumen von bis zu 1,5 Mrd. Euro umfassen könnte. Conti wollte ebenfalls keine Stellungnahme abgeben.

Continental drückt nach der Übernahme des Konkurrenten VDO im Jahr 2007 ein hoher Schuldenberg. Aktuell steht der von der Absatzkrise der Autoindustrie gebeutelte Zulieferkonzern mit mehr als neun Mrd. Euro in der Kreide. Eine Kredittranche von 3,5 Mrd. Euro muss im August 2010 abgelöst werden.

Schaeffler hatte Anfang des Jahres die Mehrheit an Continental übernommen und den Aktionären 75 Euro pro Aktie geboten. Das einst finanzkräftige Familienunternehmen leidet nach dem Kauf von 90 Prozent der Conti-Aktien unter einer Schuldenlast von mehr als zehn Mrd. Euro, hat aber mit seinen Gläubigern unter Federführung der Commerzbank eine Verlängerung der Kredite beschlossen. „Die Kreditverträge mit den Schaeffler-Banken sind unterschrieben“, sagte ein Schaeffler-Sprecher am Donnerstag.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur

Kommentare zu " Querschuss: Schaeffler gefährdet Conti-Refinanzierung"

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  • Hi Martin,

    hast Du wahrscheinlich schon gesehen, aber falls nicht..... bitte schön
    Gruss
    Joerg

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