Quironsalud Fresenius stemmt Milliarden-Zukauf in Spanien

Mit 5,76 Milliarden Euro ist es der größte Ankauf in der Unternehmens-Geschichte: Fresenius schluckt den spanischen Klinikbetreiber Quironsalud - und baut seine Position als größter privater Klinikbetreiber Europas aus.
Update: 05.09.2016 - 23:10 Uhr
Fresenius übernimmt Quironsalud, den größten privaten Klinikbetreiber Spaniens. Quelle: dpa
Fresenius

Fresenius übernimmt Quironsalud, den größten privaten Klinikbetreiber Spaniens.

(Foto: dpa)

FrankfurtDer Gesundheitskonzern Fresenius stemmt die größte Übernahme seiner Geschichte. Für 5,76 Milliarden Euro übernimmt er Quironsalud, den größten privaten Klinikbetreiber Spaniens. Stephan Sturm, der erst seit gut zwei Monaten an der Spitze von Fresenius steht, tütet damit seinen ersten Mega-Deal als Vorstandschef ein. „Zwei in Qualität und Größe führende Unternehmen schließen sich zusammen“, sagte Sturm.

Für die Fresenius-Kliniktochter Helios, die bisher nur in Deutschland tätig ist, sei die Übernahme ein wichtiger strategischer Schritt. Die Tochter, die bereits der größte private Klinikbetreiber in Deutschland ist, bekommt dadurch ein zweites Standbein außerhalb der Bundesrepublik und baut ihre Position als größter privater Krankenhausbetreiber in Europa aus.

Quironsalud hat 43 Krankenhäuser, 39 ambulante Gesundheitszentren und rund 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement. Verkäufer sind die Beteiligungsgesellschaft CVC sowie die Geschäftsführung der Klinikkette. Victor Madera, Mitgründer und Chef von Quironsalud, soll auch nach der Übernahme an Bord bleiben. Um dies zu unterstreichen, begibt Fresenius Aktien im Wert von 400 Millionen Euro an Madera, die er mindestens zwei Jahre halten muss. Der Rest des Kaufs wird durch Fremdkapital finanziert.

Die Kartellbehörden müssen noch grünes Licht für den Deal geben. Fresenius rechnet mit einem Abschluss im vierten Quartal 2016 oder im ersten Quartal 2017. Quironsalud ist sehr profitabel. Im laufenden Jahr erwartet das Unternehmen einen Umsatz von 2,5 Milliarden Euro und einen Betriebsgewinn (Ebitda) von 460 bis 480 Millionen Euro. Im kommenden Jahr peilt der Konzern ein Ebitda von 520 bis 550 Millionen Euro an. Darauf basierend entspricht der Kaufpreis dem 10,8-fachen des Betriebsgewinns.

So verschachtelt sind die Dax-Konzerne
Platz 10: Daimler (327 voll konsolidierte Gesellschaften)
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Der Stuttgarter Automobilriese konzentriert sich seit einigen Jahren wieder voll auf das organische Wachstum in seinem Kerngeschäft mit hochwertigen Autos und Lkws. Die Zahl der konsolidierten Konzerngesellschaften ist in den letzten Jahren leicht geschrumpft.

Platz 9: RWE (341)
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Der Essener Energiekonzern, dem die Erträge aufgrund der Energiewende wegbrechen, sucht auf allen Ebenen nach Einsparpotenzial. Dabei hat man auch die gesellschaftsrechtliche Struktur entdeckt. Die Zahl der GmbHs und AGs im RWE-Reich soll deutlich sinken

Platz 8: Continental (344)
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Der Automobilzulieferer gehört mit 344 konsolidierten Firmen zwar noch zu den Top-10 der Dax-Konzerne, befindet sich aber bereits deutlich auf dem Weg zu übersichtlicheren Rechtsstrukturen. Seit 2010 ist der Konsolidierungskreis bereits um ein Fünftel geschrumpft.

Platz 7: Linde (535)
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Der erfolgreiche Industriegase-Konzern wirkt mit seiner rechtlichen Struktur relativ kleinteilig. Das dürfte unter anderem daran liegen, dass viele seiner Onsite-Anlagen, die auf dem Gelände von Kunden laufen, als eigenständige Gesellschaften betrieben werden. Nicht zuletzt die Übernahme von Lincare in den USA hat dafür gesorgt, dass sich der Konsolidierungskreis in den letzten vier Jahren um rund ein Zehntel vergrößerte.

Platz 6: Thyssen-Krupp (546)
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Der Stahl- und Maschinenbaukonzern gehört gemessen an der Zahl der Einzelfirmen und auch in Relation zum Umsatz zu den komplexeren Firmen im Dax. Der Trend geht aber bereits deutlich in Richtung einfacherer Strukturen, bedingt auch durch Desinvestitionen. Vor vier Jahren hatte der Konzern noch 150 Firmen mehr konsolidiert.

Platz 5: Siemens (604)
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Auch Siemens gehört nach wie vor zu den relativ komplexen Großkonzernen, obwohl sich der Münchner Elektro-Riese in den letzten Jahren bereits verkleinert hat, etwa durch die Abspaltung von Osram. Angesichts von mehr als 600 Firmen im Konzern dürfte aber noch Spielraum zur Vereinfachung bestehen.

Platz 4: Heidelberg Cement (744)
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Deutschland größter Baustoffkonzern hat die Zahl seiner Konzerngesellschaften in den letzten Jahren bereits deutlich reduziert, bewegt sich mit 744 Einheiten aber immer noch in der Spitzengruppe. Die hohe Zahl ist dabei nicht untypisch für den Baustoffsektor; Konkurrenten wie Lafarge haben noch größere Konsolidierungskreise. Vor allem das Transportbeton-Geschäft wird über viele kleine lokale Gesellschaften betrieben.

Fresenius erwartet, dass die Übernahme ab kommendem Jahr deutlich positiv zum Konzernergebnis beiträgt. Mittelfristig seien durch den Zusammenschluss jährliche Einsparungen vor Steuern von 50 Millionen Euro zu erwarten.

Fresenius ist seit der Jahrtausendwende durch mehrere Milliarden-Zukäufe zu einem globalen Firmenkonglomerat in der Gesundheitsbranche gewachsen. Nach einer längeren Übernahme-Pause hatte sich Konzernchef Sturm zuletzt wieder offen für große Deals gezeigt, da die Bewertungen von Unternehmen in der Gesundheitsbranche gesunken sind und Fresenius seine Verschuldungsquote gesenkt hat. Der ehemalige Investmentbanker Sturm kam 2005 als Finanzchef zu Fresenius und trat Anfang Juli die Nachfolge von Ulf Schneider an, der im kommenden Jahr die Leitung des Schweizer Lebensmittelkonzerns Nestlé übernehmen wird.

  • rtr
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