Rabattschlacht tobt
Autohandel in der Krise: Nur der Preis zählt

Die Krise trifft die Autokonzerne hart – auch Mercedes und BMW. Die Chefs warnen vor Rabattschlachten, sie wollen exzellenten Kundenservice – ein frommer Wunsch. Ein Handelsblatt-Praxistest hat ein völlig anderes Bild ergeben.

HAMBURG. Bei Mercedes in der Mercedesstraße stehen sie zuhauf und blank gewienert. Autos mit dem Stern, so weit das Auge reicht. A-Klasse, C-Klasse, E-Klasse, Limousine, Roadster, Coupé, in trendigem weiß oder metallic-schwarz. Nur kaufen kann man hier nichts, selbst bei größtmöglicher Anstrengung nicht.

Seit 20 Minuten laufen wir durch die gläsernen Hallen, öffnen Mercedes-Türen, setzen uns auf Mercedes-Sitze, studieren Mercedes-Preisschilder. Doch die Mercedes-Verkäufer verhalten sich wie scheues Wild im Licht der Scheinwerferkegel. Husch, husch und weg.

Es ist ein grauer Samstagvormittag bei einem der größten Autohändler in Düsseldorf. Erst nach einer halben Stunde entdeckt uns die Rezeptionistin, eine blonde Dame. „Ah, eine M-Klasse.“ Sie klingt interessiert, immerhin. Der Grundpreis liegt bei über 54 000 Euro. „Nehmen Sie sich doch schon einmal einen Kaffee“, flötet die Frau, „ich hole einen Verkäufer für sie.“

Was sie uns verschweigt: Ob man nun über 50 000 Euro auszugeben gedenkt oder nicht – den Kaffee gibt es weder gratis noch serviert. In einer wenig einladenden Sitzecke steht ein 50-Cent-Selbstbedienungsautomat.

Was wir ihr verschweigen: Sie ist Teil eines Selbstversuchs geworden. Als Labormaus fungiert die deutsche Autoindustrie, genauer gesagt: die Aushängeschilder des gediegenen Luxus, BMW und Mercedes. Das Handelsblatt begleitet zwei deutsche Manager bei der Suche nach einem passenden Auto. Beide Herren wollen nicht sofort kaufen, aber sie wollen sehen, was sich tut im HighEnd-Segment, ob sich die Wirtschaftskrise auf den Autokauf auswirkt. Und wenn ja, wie? Ob es stimmt, was die Unternehmen selbstbewusst behaupten: dass sie noch immer ohne Rabatte klarkommen.

Dies also ist ein Versuch, vier Fälle, alle unterschiedlich, und doch mit zumindest einem gemeinsamen Ergebnis.

Das, was die Chefetagen der Autokonzerne seit Wochen als Parolen ausgeben, hält einer Überprüfung in der Wirklichkeit nicht stand. Die Händler scheinen in der Krise andere Mittel zu wählen als die Autobauer, um mit möglichst wenig Schaden durch die Krise zu kommen.

Wir haben die Händler nach dem Zufallsprinzip ausgewählt, kein Kaufversuch ist unterschlagen. Das sollte man vielleicht noch wissen.

Der Verkäufer, den uns die Dame in der Düsseldorfer Mercedes-Niederlassung holen wollte, ist eine Viertelstunde später immer noch nicht da. Wir brechen den ersten Kaufversuch ab.

Hendrik Petersen*, 35 Jahre alt, ist Marketingmanager bei einem Unternehmen der Konsumgüterbranche in Düsseldorf, Frank Cramer*, 47, Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens in Hamburg. Sie müssten die Verkäufer eigentlich anziehen. Beide sind gut gekleidet, beide haben Geld, und man sieht es ihnen auf den ersten Blick an. Beide sind typische Vertreter der Zielgruppe für einen SUV, wie die „Sport Utility Vehicle“ im Branchensprech abgekürzt werden. SUVs sind Autos, die ein wenig aussehen wie Geländewagen und auch ein paar Fahreigenschaften haben, wie man sie von Geländewagen kennt – die der prestigebewusste Deutsche aber gern auch in der Stadt fährt.

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