Rabattverträge
Apotheken ordern Billig-Generika

Die bundesweit gültigen Rabattverträge der AOK für häufig verordnete Medikamente mischen die Karten auf dem deutschen Pharmamarkt neu. Die elf in Deutschland bislang nicht nennenswert vertretenen Rabattfirmen könnten schon bald ihre Marktanteile deutlich ausbauen – auf Kosten der hochpreisigen Marken-Generika von Hexal, Ratiopharm und Stada.

FRANKFURT. „Die Apotheken haben kräftig bei den Rabattfirmen geordert“, sagt Jürgen Rost vom Marktforschungsunternehmen Insight Health. In den vergangenen drei Wochen habe sich der Großhandelsumsatz der AOK-Vertragspartner bei den Rabatt-Medikamenten teilweise verdreifacht. Das deutet darauf hin, dass die Apotheker drei Wochen nach dem Start der Gesundheitsreform ihr Sortiment den veränderten Rahmenbedingungen angepasst haben.

Seit dem 1. April hat sich für die Apotheker einiges geändert. Bislang war es egal, ob sie gegen Rezept die Pillen vom Marktführer Hexal oder von kleineren Herstellern wie Biomo-Corax aushändigten. Jetzt sind sie verpflichtet, die Rabattverträge zu beachten. Da die AOK auf einen Marktanteil von fast 40 Prozent bei den Versicherten kommt, sehen sich viele Apotheker verpflichtet, die Rabatt-Substanzen im großen Stil vorrätig zu halten.

Der Pharma-Mittelständler Biomo, der von der AOK unter anderem den Zuschlag für das häufig verordnete Magenmittel Omeprazol erhielt, berichtete gestern von steigenden Absatzzahlen im Großhandel. Auch bei Teva Deutschland spürt man die steigende Nachfrage. Im Schnitt habe sich bei den Rabatt-Substanzen die Ordermenge der Apotheken um das zwölf- bis 15fache erhöht, sagte der Geschäftsführer Michael Ewers.

„Ob aus dieser Bevorratung echte Verkäufe werden, zeigt sich jedoch erst in den kommenden Wochen“, räumte Ewers ein. Auch für andere Branchenexperten ist es noch nicht ausgemacht, dass die AOK-Verträge die Marktmacht der Marktführer brechen werden. „Viel wird davon abhängen, ob es den AOK-Landesverbänden gelingt, die Ärzte zum Mitmachen zu bewegen“, sagt Jürgen Rost von Insight Health.

Bei den Ärzten kommen die AOK-Rabattverträge offenbar recht gut an. „Für uns ist alles positiv, was unser Budget entlastet, ohne die Qualität zu beeinträchtigen“, sagte Gerd Zimmermann, stellvertretender Vorsitzender der kassenärztlichen Vereinigung Hessen. Der Rahmenvertrag der AOK sei leichter umzusetzen als frühere Rabattverträge, weil er für mehr Versicherte gelte. Das positive Echo bei den Ärzten mag aber auch damit zusammenhängen, dass mehrere Landesverbände der AOK die Ärzte mit finanziellen Anreizen zum Mitmachen anregen wollen. So erhalten etwa die badenwürttembergischen Ärzte eine prozentuale Beteiligung an den Einsparungen der Kassen. In Berlin und Hessen wurden fixe Regelungen getroffen.

Weniger begeistert von den Rabattverträgen zeigen sich die Apotheker, die ihr Sortiment umstellen müssen. Sie beklagen Lieferengpässe bei den Herstellern. Da die Rabattfirmen zusammengenommen in Deutschland bei den ausgeschriebenen Substanzen bislang auf einen Marktanteil von unter zwei Prozent kommen, bedeutet die Lieferverpflichtung für sie einen gewaltigen Kraftakt. Selbst Teva, weltweit die Nummer eins auf dem Generika-Markt, sieht sich erst seit Mitte des Monats im vollen Umfang lieferfähig.

Stada, Hexal und Ratiopharm haben sich an der Ausschreibung bislang nicht beteiligt. Nach Einschätzung von Branchenkennern werden sie den Einstieg in den Preiskampf erst erwägen, wenn die Herausforderer einen zweistelligen Marktanteil erreicht haben.

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