Rabattverträge
Generikahersteller stöhnen über Preissturz

Zwei Drittel des Marktes für Nachahmermedizin werden bereits über Rabattverträge geregelt. Die nächste große Welle steht bevor. Gegenüber marktmächtigen Krankenkassen könnten sich die Hersteller kaum durchsetzen, klagt der Branchenverband. Wie die Rabattverträge wirken.
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FRANKFURT. Die Hersteller von Nachahmermedikamenten fürchten angesichts der zunehmenden Preisnachlässe um ihre Margen. Denn immer mehr Krankenkassen schließen Rabattverträge mit den Generikaanbietern ab und realisieren dabei für einzelne Wirkstoffe Preisnachlässe von 50 Prozent und mehr auf den Herstellerabgabepreis. Während sich die Krankenkassen über mögliche Millioneneinsparungen freuen, beobachtet die Industrie die Entwicklung mit Sorge.

„Bei vielen Unternehmen gehen die Rabatte mittlerweile an die Substanz“, sagt Peter Schmidt, Geschäftsführer des Branchenverbandes Pro Generika. Zwar räumen auch Vertreter der Industrie ein, dass die Höhe der gewährten Rabatte gezeigt habe, wie viel Luft im System gewesen sei.

Mittlerweile sieht die Branche aber den Bogen überspannt. Eine weitere Abwanderung der Produktion nach Asien drohe, heißt es. Investitionen in die Entwicklung neuer Nachahmerprodukte von Biotechmedikamenten, sogenannte Biosimilars, könnten nicht mehr getätigt werden, wenn die Entwicklung so weitergehe.

Mächtige Krankenkassen

Den Einwand, dass die Unternehmen ja selbst entscheiden könnten, ob sie an einer Ausschreibung teilnehmen oder nicht, weist Pro-Generika-Geschäftsführer Schmidt zurück. Angesichts der Marktmacht großer Krankenkassen könne es sich kein Generikaunternehmen leisten, nicht mitzubieten. Sonst riskiere es, vom Markt zu verschwinden.

Die AOK, die mehr als ein Drittel Marktanteil hat, machte mit den sogenannten Wirkstoffverträgen den Anfang und erzielte in der ersten Tranche Rabatte von rund 50 Prozent. AOK-Verhandlungsführer Christopher Hermann betonte jüngst im Gespräch mit dem Handelsblatt, dass Preisnachlässe von 40 bis 50 Prozent nur marktgerecht seien.

Mittlerweile sind DAK und zahlreiche Betriebskrankenkassen (BKK) mit großen Ausschreibungen nachgezogen. Bei einer Ausschreibung von 79 BKKs über den Dienstleister Spektrum K wurde ein geschätzter Preisnachlass von etwa 30 Prozent erzielt.

Kleinere Anbieter fürchten Nachteile beim Verkauf

Im Gegensatz zur AOK, die jeweils exklusive Zuschläge gibt, können bei DAK und BKK drei und manchmal auch vier Anbieter einen Zuschlag erhalten. Kleinere Anbieter kritisieren dieses Konstrukt, weil sie fürchten, letztlich in der Apotheke hinten runterzufallen. Denn der Pharmazeut wird, wenn er zwischen drei Produkten wählen kann, eher zum bereits vorrätigen greifen – und das kommt meist von großen Anbietern wie Ratiopharm, Hexal/Sandoz oder Stada.

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