Radikaler Konzernumbau
Siemens lässt sich Chefwechsel Millionen kosten

Der Technologiekonzern Siemens hat sich den Wechsel an der Vorstandsspitze mehr als 14 Mill. Euro kosten lassen. Das Unternehmen übernahm die 8,5 Mill. Euro schweren Bonus-Ansprüche des neuen Chefs Peter Löscher bei dessen vorhergehendem Arbeitgeber Merck, wie aus einem Siemens-Bericht an die US-Börsenaufsicht SEC vom Mittwoch hervorgeht.

HB MÜNCHEN. Die Summe sei allerdings nicht bar ausbezahlt worden, sondern sei auf Löschers Pensionskonto gewandert und dort bis zu seinem 60. Geburtstag im Unternehmen gebunden. Der Manager bekam unterdessen am Mittwoch grünes Licht vom Aufsichtsrat für einen tiefgreifenden Konzernumbau.

Löschers Vorgänger Klaus Kleinfeld hat von Siemens zum Abschied 5,75 Mill. Euro bekommen, da er eingewilligt habe, für eine bestimmte Zeit nicht zur direkten Konkurrenz zu wechseln. Eine sogenannte Wettbewerberklausel war in Kleinfelds Vorstandsvertrag ursprünglich nicht enthalten. Kleinfeld hatte seinen Posten im Sommer im Streit mit dem Aufsichtsrat geräumt. Wenig später wechselte er zum US-Aluminiumkonzern Alcoa, wo er zur Begrüßung 8,7 Mill. Dollar in bar und Aktien erhielt.

Das sogenannte Jahreszieleinkommen des jetzigen Siemens-Chefs beträgt etwa 4,4 Mill. Euro. Anteilig hat Löscher in seinem ersten Quartal allerdings bereits rund 1,7 Mill. Euro bar verdient, da er wegen der guten Geschäfte bereits einen hohen Bonusanteil einstreichen konnte. Seine Vergütung kann somit je nach Geschäftsentwicklung noch steigen. Zudem erhielt er bereits Aktienoptionen im Wert von einer Million Euro.

Der gesamte Siemens-Vorstand verdiente den Angaben zufolge im abgelaufenen Geschäftsjahr mit knapp 42 Mill. Euro etwa 37 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Ein Teil des Zuwachses geht auf die zeitweise Doppelbesetzung von Vorstandsposten im Zuge des Wechsels mehrere Manager und höhere Bonuszahlungen zurück. Im Wesentlichen holte das Führungsgremium aber die bereits für vergangenes Jahr geplante Aufstockung nach. Nachdem die einstige Siemens-Handysparte unter dem Dach der Taiwaner BenQ Pleite ging, hatte der Vorstand zugunsten der Betroffenen auf die von der "Bild“-Zeitung als "frechste Gehaltserhöhung des Jahres“ gegeißelte Aufstockung verzichtet.

Neben den Gehaltserhöhungen für die Chefetage segnete der Aufsichrat am Mittwoch auch den radikalsten Umbau des Konzerns seit 1989 einstimmig ab. Die bisher acht operativen Bereiche werden künftig in drei Großsegmenten zusammengefasst. Löscher reduziert die Zahl der Vorstandsposten auf acht von bislang elf. Fünf altgediente Vorstände nehmen ihren Hut. Die drei Großbereiche Energie, Industrie und Medizintechnik werden ab Januar von den Vorständen Wolfgang Dehen, Heinrich Hiesinger und Erich Reinhardt geführt. Unterhalb der Sektoren besteht Siemens künftig aus 15 neu zugeschnittenen Divisionen.

Seite 1:

Siemens lässt sich Chefwechsel Millionen kosten

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%