Radiobericht
Börse spielt RWE-Übernahme

Bahnt sich die nächste Großübernahme in der Energiebranche an? Laut eines Radioberichts will Electricité de France (EdF) den Essener Versorger RWE übernehmen. Um den Kauf zu stemmen, wären die Franzosen demnach auch bereit, ihren Anteil an einem anderen deutschen Großunternehmen abzugeben. Das Geschäft hat allerdings bei aller Börseneuphorie so seine Tücken.

HB/juf FRANKFURT. Der Kurs des Dax-Schwergewichts stieg zu Handelsbeginn um mehr als 4 Prozent auf 81,47 Euro, nachdem der Südwestrundfunk (SWR) am Freitagmorgen von einem Vorstoß von EdF berichtet hatte. Danach sind EdF-Vertreter bereits im Bundeskanzleramt vorstellig geworden. EdF wies dies zurück, nahm aber nicht Stellung dazu, ob der Konzern grundsätzlich an RWE interessiert sei oder sogar schon mit den Essenern gesprochen habe. Ein RWE-Sprecher sagte: „Wir haben keine Anzeichen für ein Übernahmeangebot von EdF.“ Dennoch legte der RWE-Kurs bis 10 Uhr weiter zu um insgesamt 6,4 Prozent auf knapp 83 Euro.

Dem SWR zufolge haben die EdF-Vertreter im Bundeskanzleramt angeboten, sich von ihren Anteilen am baden-württembergischen Versorger EnBW zu trennen, um kartellrechtliche Schwierigkeiten zu vermeiden. EdF ist dort mit 45 Prozent der größte Anteilseigner. Allerdings dementierte auch ein Sprecher der Bundesregierung den Kontakt zum französischen Konzern.

Eine Übernahme von RWE wäre für EdF zwar zu finanzieren. RWE sitzt nach dem Verkauf des britischen Wasserversorgers zudem auf einer hohen Liquidität und leidet unter einem Machtvakuum, da der Wechsel an der Vorstandspitze von Harry Roels zu Jürgen Großmann zwar schon beschlossen, aber erst im Winter vollzogen werden soll.

Ein Übernahmeversucht dürfte aber nicht einfach werden. Zum einen kontrollieren bei RWE noch immer die kommunalen Aktionäre knapp 30 Prozent der Anteil. Einige sind zwar verkaufsbereit, größere Städte wie Dortmund oder Essen sehen das Engagement aber als strategisches Investment. Selbst wenn EdF die Mehrheit erlangen könnte, müsste sich der Konzern mit den schwierigen Verhältnissen im Aufsichtsrat auseinander setzen, in dem die kommunalen Aktionäre gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern die Kapitalseite ausbremsen können.

Auch dürfte für EdF der Ausstieg aus EnBW nicht einfach sein. Der Konzern kontrolliert EnBW gemeinsam mit einem kommunalen Zweckverband und ist dabei über einen Konsortialvertrag gebunden.

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