RAG-Chef Tönjes
„Niemand fällt ins Bergfreie“

Mit dem Ende des Steinkohlebergbaus wartet auch auf die Kohlekumpel ein neuer Lebensabschnitt. Im Interview verrät RAG-Chef Bernd Tönjes, welche Jobchancen seine Angestellten noch haben.
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SaarbrückenNach 250 Jahren Bergbautradition hat der RAG-Konzern die Kohleförderung an der Saar und in Kamp-Lintfort beendet. Hunderte Mitarbeiter müssen den Arbeitsplatz wechseln, oder sie gehen in den Vorruhestand.

Die RAG will an der Saar aber zugleich neue Arbeitsplätze schaffen - etwa mit erneuerbaren Energien, wie der Chef des Bergbaukonzerns RAG, Bernd Tönjes, im Interview sagt.

250 Jahre Bergbau, die das Saarland geprägt haben: Mit welchen Gefühlen verfolgen sie die letzte Schicht am Bergwerk Saar?

Bernd Tönjes: Mit schmerzlichen Gefühlen. Ich bin selbst über 30 Jahre lang Bergmann, wie mein Vater und meine Großväter. Und der Bergbau hat das Saarland entscheidend geprägt. Als tragende Säule der Industrialisierung war er zentraler Kern und Impulsgeber für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Bundeslandes. Wir alle wissen: Das Ende des saarländischen Steinkohlenbergbaus beruht auf kohlepolitischen Vereinbarungen aus dem Jahr 2007 sowie den Erschütterungsereignissen vom Februar 2008. Was uns natürlich schmerzt ist die Tatsache, das wir eine nicht erschöpfte Lagerstätte vorzeitig verlassen müssen.

Wie geht es für die Beschäftigten weiter?

Wir schließen ja kein Bergwerk von heute auf morgen. Die Beschäftigtenzahl von jetzt noch rund 1200 war schon langfristig reduziert worden: rund 250 Bergleute wechselten bis 2011 nach Ibbenbüren, weitere 600 werden ihnen noch folgen. Andere gehen in die Anpassung (Vorruhestand). Es bleibt bei dem Satz: Niemand fällt ins Bergfreie.

Und die Region? Die RAG ist ja nicht nur Arbeitgeber, sondern auch großer Immobilienbesitzer?

Das stimmt. Die RAG besitzt allein im Saarland rund 2500 Hektar Grund und Boden. Die Immobilien müssen erhalten und entwickelt werden. Das übernimmt unsere Tochter RAG Montan Immobilien. Wir lassen den Standort nicht im Stich. Zum Beispiel entwickeln wir dort in den nächsten Jahren Photovoltaik-Anlagen. An der Saar haben wir im Schnitt mehr Sonnenschein als im Ruhrgebiet.

Man liest ja immer so viel über die „Grüne RAG“. Sind das denn wirklich realistische Szenarien?

Unsere Halden sind 100 Meter hoch. Da oben weht es kräftig, und den Höhenunterschied können Sie für Pumpspeicherkraftwerke nutzen. Richtig interessant würde es mit einem Pumpspeicherkraftwerk unter Tage, das 1000 Meter Schachttiefe nutzt. Damit könnten wir einen kleinen Beitrag zur Energiewende leisten, denn vor allem fehlt es ja an allen Ecken an leistungsfähigen Stromspeichern.

Würde das erste Pumpspeicherkraftwerk an die Saar kommen? Hier endet der Bergbau ja schließlich eher als an der Ruhr?

Das lässt sich jetzt noch nicht verlässlich vorhersagen. Aber wir untersuchen solche Projekte sehr ernsthaft und wollen innerhalb von drei Jahren die Entwicklung abschließen. Ziel sind Kraftwerke von um die 350 Megawatt in alten Schächten - grundsätzlich an der Saar genauso wie an der Ruhr. Außerdem prüfen wir die Nutzung von Grubenwasserwärme und Geothermie. Denn solche Projekte können letztlich auch die Kosten für die Ewigkeitsaufgaben des Bergbaus reduzieren.

Die RAG soll auch nach dem Kohleausstieg 2018 weiterexistieren, haben Sie mehrfach gesagt. Wie groß sehen Sie denn das Unternehmen?

Für Wasserhaltung und Grubensicherung brauchen wir Personal. Wir müssen unsere Immobilien unterhalten, entwickeln und vermarkten. Und dazu kommen Projekte im Bereich erneuerbarer Energien, die natürlich bei weitem nicht so viele Jobs sichern wie einst der Bergbau. Etwas mehr als 1000 Beschäftigte wird die RAG zunächst auch nach 2018 noch haben - darunter vielleicht ein Zehntel an der Saar.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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