RAG
Nahziel Dax

RAG-Chef Werner Müller hat klare Vorstellungen von der Zukunft der ehemaligen Ruhrkohle AG: Der Essener Konzern soll sich vom Bergbau trennen, an die Börse gehen und rasch in den Deutschen Aktienindex aufsteigen. Doch so einfach, wie Müller sich das vorstellt, ist es nicht. Das hat auch die Anhörung vor dem Düsseldorfer Landtag gezeigt.

HB DÜSSELDORF. Müller sagte am Mittwoch vor dem Wirtschaftsausschuss des Düsseldorfer Landtages, durch den Schritt auf das Börsenparkett werde das Unternehmen wesentlich bessere Wachstumsperspektiven haben. Die Pläne Müllers, den Mischkonzern RAG aufzuspalten und seine milliardenschweren Aktivitäten in den Sparten Stromerzeugung, Immobilien und Chemie von den Lasten des Bergbaus befreit an die Börse zu bringen, sind im Düsseldorfer Landtag umstritten. Denn Politiker der CDU-FDP-Koalition befürchten, dass dadurch finanzielle Risiken in Milliardenhöhe auf das Land zukommen.

Bisher dient der „weiße Bereich“, der die florierenden Nicht-Bergbau-Aktivitäten der RAG zusammenfasst, als Haftungsmasse für die Kosten des Bergbaus. Nach dem Börsengang soll diese Aufgabe eine Stiftung übernehmen, in die die Milliardeneinnahmen aus dem Börsengang fließen sollen.

Müller warb vor dem Landtag vehement für seinen Plan. Durch die Neuordnung werde weder die Haftungsmasse für den Bergbau geschwächt, noch entstünden zusätzliche Risiken für die öffentliche Hand, sagte der Manager. Schon heute hafteten letztlich der Bund und die Bergbau-Länder Nordrhein-Westfalen und Saarland für alle Kosten des Bergbaus, die über das im „weißen Bereich“ angesammelten Vermögen hinausgingen. Hier ändere sich letztlich nichts. Eine Rechtsgrundlage für eine „Durchgriffshaftung“ auf das Vermögen der RAG-Großaktionäre Eon, RWE und Thyssen-Krupp gebe es nicht. Müller berief sich dabei auf ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft KPMG.

Müller lehnt Zerschlagung ab

Als unrealistisch bewertete Müller Erwägungen des Landtags, den RAG-Konzern zu zerlegen und durch den separaten Verkauf der Chemie-, Immobilien- und Kraftwerkssparte möglicherweise höhere Einnahmen für die Stiftung zu erzielen. Auch einige Experten hatten den getrennten Verkauf favorisiert.

Müller warnte, derzeit werde die Entwicklung des RAG-Konzerns durch seine Struktur massiv gebremst. „Wir müssen den Zustand ändern. Es kann nur besser werden“, sagte er. Andernfalls drohe dem Konzern ein Ende auf Raten, bei dem zuletzt doch die öffentliche Hand auf den Bergbaukosten sitzen bleibe.

Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) stellte auf Nachfrage der SPD-Fraktion klar, dass sie nicht den Börsengang in Frage stelle: „Ich stelle allerdings Fragen zum Börsengang und das ist auch meine Pflicht!“ Nach dem Gutachten der KPMG zu den Folgekosten des Steinkohlen-Bergbaus müsse nun zunächst in einem Gutachten der Wert des Konzerns ermittelt werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%