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15.03.2008 

Am 23. Februar hatte das stärkste jemals vom Bergbau im Saarland ausgelöste Beben die Arbeit der Bergleute der RAG Deutsche Steinkohle schlagartig beendet – und bei tausenden Kumpeln Angst um ihre Jobs ausgelöst. Für die Landesregierung, die Grünen, die FDP, die Bergbaugegner und selbst für die bergbaufreundliche SPD im Land schien klar: Im Saarland wird es keine Steinkohleförderung mehr geben. Zu tief saß der Schrecken über den heftigen Erdstoß, der tausende Menschen in Panik versetzte, eine Kirche und viele Häuser schwer beschädigte und bei dem nur mit Glück niemand schwer verletzt oder gar getötet wurde.

Noch am selben Tag verfügte Ministerpräsident Peter Müller (CDU) einen Abbaustopp für das bebenträchtige Kohlefeld Primsmulde Süd und das Unternehmen selbst legte das Bergwerk Saar komplett still. Mehr als 3 500 Beschäftigte sind in Kurzarbeit. „Wir müssen davon ausgehen, dass der Abbaustopp dauerhaft bestehen bleibt“, sagte Müller nach dem Beben. Monatelang hatte Müller mit dem Unternehmen wegen der ständigen heftigen Erschütterungen um die Zukunft des Bergbaus gestritten, zuletzt in immer schärferer Tonlage. Für ihn war das Beben auch eine Chance, eine endgültige Entscheidung herbeizuführen. Der Gefahr, dass tausende Bergleute und Beschäftigte in der Zulieferindustrie ihre Arbeit verlieren könnten, wollte die Regierung mit einem „Solidarpakt Steinkohle“ begegnen.

Auch das Unternehmen gab sich lange wenig optimistisch. Zerknirscht trat Vorstandschef Bernd Tönjes vor die Presse, niemand wusste ob und wie es mit dem Bergbau an der Saar und den rund 5 500 Beschäftigten der RAG im Land weitergehen würde. Das Aus schien besiegelt. Nun wagt der Konzern einen Befreiungsschlag und will wieder Kohle fördern – bis zum Jahr 2012. Dann soll der traditionsreiche Bergbau endgültig eingestellt werden. Bis dahin wolle man in anderen, weniger gefährlichen Gebieten Steinkohle aus der Erde holen.

Das lukrative Kohlefeld Primsmulde Süd und das noch nicht erschlossene Feld Primsmulde Nord will das Unternehmen aber aufgeben. Nun soll in den Flözen Grangeleisen und Wahlschied gearbeitet werden. Zu deutlich höheren Kosten und mit deutlich geringerem Ertrag. Einstimmig beschloss der Aufsichtsrat am Freitagabend in Herne entsprechende Pläne. Knapp drei Wochen nach dem Beben kann das Unternehmen seinen Mitarbeitern wieder ein Stück Hoffnung machen, auch wenn man an der Saar ursprünglich bis mindestens 2014 fördern wollte.

„Allerdings müssen wir als Unternehmen deutliche Abstriche machen“, sagt Tönjes. Kurzfristig könnten rund zwei Drittel der Belegschaft weiterhin einen Arbeitsplatz behalten. Damit sei gewährleistet, dass ein „Großteil der Arbeitsplätze im Bergbau“ zunächst erhalten werden könnte, sagte Tönjes. Doch auch für die gesamte Planung des Konzerns ist der Bergbau an der Saar entscheidend. Ohne das Bergwerk ließe sich der im Kohlekompromiss für den gesamten deutschen Steinkohlenbergbau festgelegte Ausstiegsplan bis 2018 nicht finanzieren, Kündigungen könnten nicht ausgeschlossen werden, heißt es aus dem Unternehmen. Das ganze System fiele zusammen. Schon deshalb sei der Betrieb des Bergwerks Saar nötig. Hinter vorgehaltener Hand ist aus dem Unternehmen zu hören, dass das Bergwerk als eine „Art langfristige Beschäftigungsgesellschaft“ zwar niemals zu marktgerechten Preisen produzieren, aber viele tausend Jobs retten würde.

Nun stehen Regierung und RAG Verhandlungen über die notwendigen Genehmigungen ins Haus. Für Müller könnte das ein politischer Drahtseilakt werden, hatte er doch gerade bei den vielen tausend Bergbaugegnern im Land wochenlang den Eindruck erweckt, Kohleförderung an der Saar werde es nicht mehr geben. Noch vor der Sitzung beeilte sich die Staatskanzlei am Freitag zu erklären, dass zumindest der Abbau im Flöz Wahlschied „voraussichtlich nicht genehmigungsfähig sei“, die anderen Möglichkeiten wollte man aber nicht ausschließen. Innenminister Klaus Meiser (CDU) jedenfalls stimmte als RAG-Aufsichtsrat für die Vorschläge des Unternehmens. FDP und Grüne verlangten postwendend eine „harte Haltung“ der Regierung. Die wollte erst am Samstagabend Stellung beziehen.

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