Ramsauer kritisiert Regierung
Zu wenig Unterstützung für Siemens?

Im Bieterwettbewerb zwischen Siemens und GE habe die Bundesregierung sich zu sehr zurückgehalten, beklagt CSU-Politiker Ramsauer. Siemens-Chef Kaeser macht dagegen jemand anderen für das Scheitern verantwortlich.
  • 6

BerlinDer Vorsitzende des Bundestags-Wirtschaftsausschusses, Peter Ramsauer (CSU), hat der Bundesregierung mangelnde Unterstützung für den Siemens-Konzern im Bieterkampf um Alstom vorgeworfen. Von der deutschen Regierung sei in der Angelegenheit zu wenig zu hören gewesen, sagte Ramsauer am Montag im Deutschlandfunk. Er hätte sich gewünscht, dass Siemens eine ähnliche Unterstützung erfährt wie Alstom durch die Regierung in Paris.

Diese wurde vom Ramsauer in scharfen Worten kritisiert, weil sie dem amerikanischen Siemens-Konkurrenten General Electric den Einstig bei Alstom geebnet hat. „Die französische Regierung hat hier eindeutig nationale Eigensinnigkeiten, französische einseitige Interessen vor die europäischen Interessen gestellt“, sagte Ramsauer. Kritisch sei auch, dass der französische Staat sich trotz massiver Schuldenprobleme eine Alstom-Beteiligung leiste.

Nach einem wochenlangen Bieterstreit zwischen einerseits dem Siemens-Konzern und dessen japanischem Partner Mitsubishi Heavy Industries sowie andererseits General Electric hatten sich das französische Unternehmen und der Staat letztlich für den US-Konzern entschieden. Zudem will die französische Regierung mit 20 Prozent bei Alstom einsteigen.

Für die Niederlage im Bieterwettstreit ist nach Einschätzung des Siemens-Vorstandsvorsitzenden Joe Kaeser vor allem Alstom-Chef Patrick Kron verantwortlich. „Wir hatten das eindeutig bessere Angebot in puncto Jobs, Preis und Zukunftsperspektive für die französische und europäische Industrie“, sagte Kaeser der „Bild“-Zeitung vom Montag. Ausschlaggebend sei am Ende gewesen, dass Kron Deutschland und Siemens „entschieden bekämpft“ habe. „Dagegen konnten und wollten wir nichts machen“, so Kaeser.

Auf die Frage nach der Zukunft des Siemens-Bahngeschäfts sagte Kaeser: „Wir wollten nie unser Bahngeschäft verkaufen, sondern zusammen mit Alstom einen europäischen Champion mit globaler Durchsetzungskraft bauen.“ An seinen Plänen halte er fest. „Das Ziel bleibt, der Weg dahin wird jetzt ein anderer“, sagte Kaeser.

Zu Beginn der Bieterschlacht hatte Siemens angeboten, wie der US-Rivale General Electric die Energiesparte von Alstom zu übernehmen und im Gegenzug das Bahngeschäft an die Franzosen abzugeben. Im offiziellen Angebot, das Siemens schließlich zusammen mit dem japanischen Unternehmen Mitsubishi Heavy Industries (MHI) vorlegte, war davon nicht mehr die Rede. Stattdessen hieß es, es könnten Verhandlungen über eine Zusammenarbeit von Siemens und Alstom im Bahngeschäft aufgenommen werden, um einen „starken und innovativen europäischen Champion“ in dem Sektor zu schaffen.


afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Ramsauer kritisiert Regierung: Zu wenig Unterstützung für Siemens?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die US-korruptionsvorwürfe gegen Alstom betreffen nur sehr indirekt die US-Konkurrenten, trotzdem bringen die USA Ihre Geschütze in Stellung. Genauso könnten wir Halliburton wg der Korruption im Irak verklagen :-) However, zusammen mit den Steuerbetrugvorwürfen gegen BNP profezeie ich mal, dass die französische Regierung sich dezen, ganz im Sinne der "US-Partner" von ihren 20% trennen.

  • Das Spiel geht doch immer wieder so. Da stehen ein französicher und ein deutscher Konzern in Konkurrenz und es muss zu einer Bereinigung kommen. Wenn der französiche Konzern dann in einer schlechteren Position ist, dann greift den Staat ihm direkt unter die Arme oder der Präsident ruft bei seinem alten Kumpel von der ENA an. Der hilft dann mit einem kleinen günstigen Kredit. Der Staat übernimmt auch gerne Anteile zu überhöhten Preisen. Wenn man das öfter und als Prinzip macht dann hat man am Ende eine riesige Staatsverschuldung, aber da hilft ja der Gabriel von der deutschen SPD. Der läßt sich gerne mal nach Paris einladen und revanchiert sich mit dem Spruch: mit den Reformen könnt ihr Euch etwas länger Zeit lassen.
    So wird das nichts mit Europa. Wir müssen wieder Herr im eigenen Haus werden und die EU entsprechend zurecht stutzen. Das geht nur mit den Engländern. Wie oft wollen wir uns das Spielchen denn noch gefallen lassen?

  • BNP Paribas
    Jetzt könnte mal interessant werden, welchen Verlauf die mal avisierte US-Strafe für BNP Paribas jetzt nimmt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%