Rangeln um Kieler Traditionswerft
HDW glaubt an Verkauf bis Jahresende

Das Gerangel um die Kieler Traditionswerft Howaldtswerke-Deutsche Werft AG (HDW) geht in die entscheidende Phase. HDW-Vorstandschef Helmut Burmester glaubt an einen Verkauf bis zum Jahresende.

KIEL. „Ich gehe davon aus, dass noch in diesem Jahr eine Entscheidung über die neuen Eigentümer von HDW fällt.“ Helmut Burmester, für zwei Jahre zum Vorstandschef der HDW ernannt, ist sich da sicher. Der derzeitige Eigentümer, der US-Finanzinvestor One Equity Partners (OEP), habe einen professionellen Verkaufsprozess gestartet.

Interessenten sind dem Vernehmen nach die französische Rüstungsholding Thales S.A., die Essener Thyssen-Krupp Technologies AG sowie der US-Rüstungskonzern Northrop Grumman. Von den meisten Beteiligten ist auf Anfrage keine Stellungnahme zu erhalten.

Entscheidend bei einem HDW- Verkauf dürfte nach wie vor die Zustimmung der Bundesregierung sein, auch wenn sie formal kein Einspruchsrecht hat. Bereits 2002 hatte es Bedenken gegen eine transatlantische Lösung gegeben, unter anderem wegen der Sorge vor einem Technologietransfer in die USA. „Die bevorzugte Lösung ist nach wie vor ein Zusammenschluss der deutschen Werften und danach eine europäische Lösung nach dem Vorbild der EADS in der Luftfahrt“, betonte SPD-Verteidigungsexperte Hans-Peter Bartels gegenüber dem Handelsblatt.

Auch das französische Wirtschafts- und Finanzministerium sowie das Verteidigungsministerium haben bereits für eine deutsch-französische Lösung plädiert. Die französische Thales hat jedenfalls ihre Werthaltigkeitsprüfung (Due Diligence) bei HDW bereits fast abgeschlossen, heißt es aus Kreisen des HDW-Aufsichtsrats.

Thyssen-Krupp bestätigt, ein Angebot für HDW abgegeben zu haben. Aus dem mit dem Verkauf betrauten Personenkreis verlautet, dass Thyssen-Krupp wegen versteckter Bilanzrisiken nur 500 Mill. Euro geboten habe. Dem Vernehmen nach will OEP aber 800 Mill. Euro erzielen.

HDW kooperiert bereits mit Northrop

Northrop soll bereit sein, im September eine Offerte für die Sparten U-Boot-Bau und Korvetten vorzulegen und 400 Mill. $ zu zahlen. Die Korvetten der schwedischen HDW- Tochter Kockums entsprechen den Anforderungen der US Coast Guard, die neue Boote benötigt.

Branchenkreisen zufolge ist auch ein partnerschaftlicher Einstieg von Thyssen-Krupp und Northrop im Gespräch. Dieser hätte den Vorteil, dass er sowohl die auch politisch gewollte Konsolidierung in Deutschland in Gang brächte, als auch den lukrativen US-Markt weiter öffnen könnte. HDW kooperiert bereits mit Northrop. Auch OEP sehe eine Lösung mit Northrop „mit Sympathie“.

Für den französischen Rüstungszulieferer Thales zählen vorrangig die U-Boote des Weltmarktführers HDW, denen die französische Staatswerft DCN, an der Thales beteiligt ist, nichts Gleichwertiges entgegensetzen kann. „Wer HDW besitzt, hält den Schlüssel zur europäischen Werftenintegration in der Hand“, meint Burmester. Dabei sei aber derzeit eine Fusion zwischen HDW und DCN kaum vorstellbar. Während HDW gerade die Zahl der Mitarbeiter um 742 auf 2 650 verringert und weitere personelle Einschnitte angekündigt hat, stehen bei DCN 16 000 Werftarbeiter auf der Lohnliste, deren Protestbereitschaft die französische Regierung fürchten muss.

Für OEP kommt es darauf an, aus dem bisher enttäuschenden Engagement bei HDW ungeschoren davonzukommen. Die Amerikaner haben für die Werft vor einem Jahr 356 Mill. Euro an den maroden Babcock-Bor- sig-Konzern gezahlt und bis jetzt weitere 130 Mill. Euro zugeschossen.

HDW habe seine Hausaufgaben noch nicht gemacht, räumt Burmester ein. Gegenüber vergleichbaren Werften, wie Blohm+Voss oder der Meyer Werft in Papenburg produziere HDW 10 bis 25 % zu teuer.Nach Burmesters Vorstellung sollen im Überwasserschiffbau zivile Aufträge mit kalkulierbaren Verlusten Marineaufträge ersetzen. Bisher litt die in der Vergangenheit „archaisch und nach Gutsherrenart“ geführte Werft an den unkalkulierbaren Verlusten im Handelsschiffbau. Sie dürften mehr als 300 Mill. Euro betragen.

Verluste bleiben der Werft auch 2003 erhalten. Deren Höhe wird Burmester zufolge davon abhängen, ob noch in diesem Jahr Strukturentscheidungen gefällt werden, die die Werft belasten. Für 2001/02 (30.9.) hatte HDW einen Fehlbetrag von 122 Mill. Euro bei 563 Mill. Euro Gesamtleistung gemeldet.

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