Rasantes Wachstum
Der Haken am spanischen Autowunder

Kein Automarkt in Europa wächst derzeit schneller als der in Spanien. Davon profitieren die zuletzt gebeutelten Hersteller wie Seat. Der Erfolg hat ein deutsches Vorbild – doch er ist teuer erkauft.
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DüsseldorfGing es um Spanien, waren die Nachrichten in den letzten Jahren selten gute - Immobilienkrise, Massenarbeitslosigkeit und Firmensterben beherrschten die Schlagzeilen. Auch der Automarkt lag völlig am Boden – und das ausgerechnet in dem Land, in dem nach Deutschland die zweitmeisten Autos in Europa gebaut werden. Nun scheint es langsam wieder aufwärts zu gehen - nicht nur beim Wirtschaftswachstum.

Ein Blick auf die aktuelle Absatzstatistik in Spanien zeigt: Die Autoverkäufe haben in den ersten sieben Monaten im Vergleich zum Vorjahr um satte 16,6 Prozent zugelegt, allein im Juli gab es erneut ein Plus von 10,9 Prozent.

Bemerkenswert ist auch, dass vor allem Segmente wieder wachsen, die bisher besonders durch die Krise gebeutelt waren. Rund die Hälfte aller verkauften Fahrzeuge wurden an Privatkunden verkauft, hier beträgt das Wachstum im Vergleich zum Vorjahr sogar 21,3 Prozent. Besonders beliebt sind Klein- und Mittelklassewagen, die gemeinsam ebenfalls über 50 Prozent der Verkäufe ausmachen.

Davon profitieren auch die deutschen Hersteller: Marktführer in Spanien ist VW mit 50.873 verkauften Fahrzeugen in den ersten sieben Monaten, auf Platz drei landet Opel. Seat, die Nummer zwei in Spanien, gehört ebenfalls zum VW-Konzern. Und auch die deutschen Premiummarken wachsen derzeit zweistellig in Spanien: Allein Porsche kann beim Absatz in den ersten sieben Monaten um satte 33,3 Prozent zulegen, Mercedes um 15,8 Prozent und BMW noch um immerhin 11,5 Prozent.

Mittlerweile ist sich der auch der Verband der spanischen Automobilindustrie Anfac sicher, dass in diesem Jahr so viele Autos verkauft werden wie seit 2010 nicht mehr. Erst kürzlich hatte man das Ziel auf 850.000 verkaufte Fahrzeuge angehoben. Ein Autowunder, könnte man meinen.

Doch der Erfolg ist vor allem der spanischen Politik zu verdanken. Ende 2012 startete sie Pive, das „Programa de Incentivos al Vehiculo Eficiente“ – die spanische Variante der Abwrackprämie. Auch in der sechsten Auflage des Programms, die im Juni angelaufen ist, bleiben die Rahmenbedingungen gleich: Wer ein mindestens zehn Jahre altes Auto verschrottet, bekommt beim Kauf eines effizienten Neuwagens 2000 Euro Prämie – 1000 Euro vom Staat, 1000 Euro vom Händler. Für Familien sind sogar bis zu 3000 Euro drin. Im kommenden Halbjahr hat die spanische Regierung dafür 175 Millionen Euro eingeplant.

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  • Also die Deutsche Wirtschaft kann selbst von der Autoproduktion auf Halde - sollte Herr Metz tatsächlich Recht haben - eigentlich nur profitieren. Egal welches Auto in Europa produziert wird, eines haben sie alle gemeinsam und das sind die Deutschen Erstausrüster. Die setzen nämlich ihre Produkte ab, ob die Autos gekauft werden oder nicht und beschäftigen weiter ihre Mitarbeiter, die den Konsum in Deutschland ausmachen.
    Ihre Hobbyfotografie muss dementsprechend noch ein paar Jahre warten Herr Metz, oder Sie versuchen es in anderen Ländern... Die Ukraine oder Russland bieten momentan sicherlich ein paar spannende Motive.
    Inwiefern Herr Metz da Recht hat kann man leider nur schwer beurteilen, aber es bleibt zu erklären wieso die Autobauer trotzdem profitabel bleiben.

  • Sie glauben offensichtlich tatsächlich Alles, was Ihnen Autotohersteller und -händler erzählen. Was denken Sie, würde mit den Neuwagen-Preisen passieren, wenn die Hersteller zugeben müssten, dass sie auf Halde produzieren?
    Und natürlich finden Sie solche Berichte nicht in der BLÖD oder in der Mitgliedszeitschrift des ADAC - dafür aber z.B. im besten (alternativen) Wirtschaftsblog der Welt (mit Fotos):
    http://www.zerohedge.com/news/2014-05-16/where-worlds-unsold-cars-go-die

  • In D leben zu viele Pessimisten u. Versager. Diese gegen Alles Gutmenschen sind das eigentliche Problem. Sie beteiligen sich nicht am Wertschöpfungsprozeß ... u. baben trotzdem ihr Auskommen, weil sie sich geschickt versorgen lassen.

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