Raubbau an einem wichtigen Rohstoff: Die Eintrittskarte ins Baggergeschäft ist teuer

Raubbau an einem wichtigen Rohstoff
Sand wird zur Schmuggelware

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Die Eintrittskarte ins Baggergeschäft ist teuer

Seine technischen Eigenschaften und relativ niedrigen Produktionskosten sind der Schlüssel zum Erfolg dieses allgegenwärtigen grauen Werkstoffs. Beton ist das weltweit meist genutzte Material. „Zwei Drittel aller Bauwerke auf unserem Planeten bestehen aus Stahlbeton. Der besteht wiederum aus zwei Dritteln Sand“, sagt Simonnet. „Sie können sich also vorstellen, wie viel Sand in unserem Alltag und in unserer Umwelt steckt.“

Die Mengen sind schwindelerregend. Um ein Haus mittlerer Größe zu bauen, sind 200 Tonnen Sand nötig, rechnen die Filmemacher vor. Für ein größeres Gebäude wie ein Krankenhaus sind 3000 Tonnen nötig und jeder Kilometer Autobahn frisst mindestens 30.000 Tonnen Sand. Der Bau eines Atomkraftwerks verbraucht mindestens zwölf Millionen Tonnen.

„Der weltweite Sandverbrauch beträgt mehr als 15 Milliarden Tonnen pro Jahr. Diese Menge ist so gewaltig, dass sie jede Vorstellungskraft übersteigt“, sagt Umweltexpertin Pereira. „Wie viel sind 15 Milliarden Tonnen pro Jahr? Wir wissen es nicht, weil keine andere Ressource in so riesigen Menge verbraucht wird, ausgenommen vielleicht Wasser.“

Die Nachfrage nach Sand ist enorm. Den Sandhändlern geht es prächtig. Die Industrie ist von der internationalen Wirtschaftskrise kaum betroffen. Branchenvertreter prognostizieren vielmehr einen stetigen Anstieg des Bedarfs. Auf einer Messe der Sandindustrie sagt ein Branchenvertreter den Filmern: „Nach Luft und Wasser ist Sand das meistverbrauchte Wirtschaftsgut der Welt.“

Der hohen Nachfrage steht jedoch ein begrenztes Angebot gegenüber. Das trübt den Optimismus der Branche. Sand ist nicht mehr so einfach zu finden, wie man denkt. Früher konnte man Sand einfach nur abbauen, um damit Straßen, Brücken und Häuser zu errichten. „Doch das ist vorbei. Wir haben diese Vorkommen alle verbraucht“, sagt ein Branchenvertreter.

Alle leicht und kostengünstig zugänglichen Vorkommen sind ausgeschöpft. Eric Chaumillon, Geologe der Universität La Rochelle, erklärt, wie das kam. „Die Flüsse wurden ausgebaggert. Da hat sich aber gezeigt, dass das zu verstärkten Hochwassern führt.“ Den Abbau in Sandgruben habe man eingestellt, weil sie die Landschaft verunstalteten. „Dann wandte man sich dem Meeresgrund zu, schließlich wird da die Landschaft nicht verschandelt und man dachte, dass Sand in großen Mengen verfügbar ist“, sagt Chaumillon. „Doch nun merkt man, dass auch dies Probleme schaffen kann.“

Der Großteil des Sandes für unseren Bedarf stammt vom Meeresgrund. Weite Teile der Meeresböden sind felsig oder mit feinem Sand bedeckt, der sich über Hunderttausende von Jahren dort abgelagert hat. Diesen rückt die Industrie mit einer ganzen Flotte zu Leibe. Wichtigstes Werkzeug dabei ist der Schwimmbagger.

Die hochmodernen, schwimmenden Sandfabriken sind mit riesigen Saugarmen ausgestattet. Die Rohre werden auf den Meeresgrund gelassen und pumpen riesige Mengen Sand hoch. Der braune Wasser-Sand-Mix spritzt aus Röhren in die Tanks der Schiffe. Ein Schwimmbagger kann zwischen 4 und 400.000 Kubikmeter Sand am Tag gewinnen - je nach Dimension der Maschinen und dem Standort.

„Jeder Schwimmbagger erfordert Investitionen in Höhe von 20 bis 150 Millionen Euro. Die Eintrittskarte in das Baggergeschäft ist also sehr teuer, denn man benötigt eine ganze Flotte“, sagt Bernard Malhebre, Entwicklungsleiter der Jan de Nul-Gruppe, ein belgisch-luxemburgisches Seebaggerunternehmen.

Kommentare zu " Raubbau an einem wichtigen Rohstoff: Sand wird zur Schmuggelware"

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  • ... und was fuer eine schwachsinnige Ueberschrift ist das hier: Indonesischer Kahn-Kapitaen mit Kippe im Mund ? Was hat das mit dem Inhalt zu tun ? "Journalismus neu" ?

  • Ich fürchte, das Sommerloch naht ;–))

    Schönes WE

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

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