Raubbau an einem wichtigen Rohstoff: „Er kann Arabern Sand verkaufen“

Raubbau an einem wichtigen Rohstoff
Sand wird zur Schmuggelware

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„Er kann Arabern Sand verkaufen“

Der Reichtum an Wüstensand ist für jegliche Bauvorhaben also völlig nutzlos. Meeressand haftet zwar zusammen, ist aber nicht unerschöpflich, wie die bittere Erfahrung aus Dubai zeigt. „Sand ist keine nachhaltige Ressource“, zieht Welland als Schluss.

Die Vorkommen Dubais sind erschöpft. Doch das Emirat hat eine Reserve Tausende Kilometer entfernt gefunden, die es ihm erlauben, die Bauwut fortzusetzen. Die Ironie: Das von Wüste umgebene Land importierte Sand aus Australien, um das nächste ehrgeizige Bauprojekt Burj Khalifa, das höchste Gebäude der Welt, zu errichten. „Auf Englisch gibt es das Sprichwort: Er kann Arabern Sand verkaufen. Das ist witzig gemeint. Doch in Dubai ist es Realität geworden“, sagt George Boden, Kampagnenleiter der Organisation Global Witness.

Die Sandkrise in Dubai ist bei weitem kein Einzelfall, sondern veranschaulicht einen weltweiten Trend. Ob als Baustoff oder wegen seiner Mineralien: Sand ist weltweit gefragt. Das weltweite Handelsvolumen beziffert sich auf 70 Milliarden Dollar pro Jahr. 3500 australische Unternehmen exportieren Sand auf die arabische Halbinsel. Die Gewinne haben sich verdreifacht. Australien verdient mit seinem Sand jährlich fünf Milliarden Dollar. Es ist ein gewaltiges Geschäft, immer mehr steigen ein.

Doch die Nebenwirkungen des Abbaus sind in einigen Exportländern bereits spürbar. „Bei der Sandgewinnung werden natürlich auch alle Tiere und Pflanzen, die am Meeresboden leben, angesaugt“, sagt Chou Loke Ming, Professor für Meeresbiologie von der Universität Singapur. „Dadurch werden all diese Lebewesen getötet.“ Außerdem sind sie Teil der Nahrungskette in der Wassersäule über ihnen. Viele Fische tauchen zum Meeresboden und leben von ihnen.“ Sand ist also ein wichtiges Element des marinen Ökosystems, von dem das Überleben vieler Arten abhängt.

Dafür gehen die Dokumentarfilmer auf Spurensuche vor Ort in Indonesien. Wie viele Archipele besteht Indonesien aus zahlreichen Inseln, die buchstäblich auf Sand gebaut sind. Der intensive Abbau dieser Ressource setzt eine Kettenreaktion in Gang, deren Auswirkungen nicht nur auf dem Meeresboden zu sehen sind.

Der exzessive Sandabbau bringt Tausende Familien in Bedrängnis. Denn 92 Prozent des indonesischen Fischbedarfs wird durch traditionelle Fischerei gedeckt. „Wir verlieren durch den Sandabbau unsere Korallenriffe, unsere Fische, die Fischer ihre Lebensgrundlage, ihre Familien haben kein Einkommen mehr. Wir verlieren alles“, klagt Riza Damanik, Direktor der lokalen Nicht-Regierungsorganisation People’s Coalition for Fisheries Justice.

Doch die Auswirkungen können noch viel weitreichender sein: Sie treffen nicht nur die Meeresflora und -fauna, sondern greifen sogar die Küstenlinien selbst an. „Eine Insel aus Sand entsteht aus dem natürlichen Zusammenwirken von Wind, Wellen und Wasserströmungen“, schildert Geologe Welland. „Wenn Sie den Sand entfernen, stören sie dieses natürliche Gleichgewicht und die Wellen und Strömungen beginnen, den restlichen Sand in Bewegung zu setzen.“

Durch den Sandabbau entsteht eine Delle am Meeresgrund. Diese Delle wird durch Strömungen, Wellen und Gravitation wieder aufgespült. Dabei wird Sand von den Küsten weggeschwemmt. Der Sandabbau verursacht an den nahegelegenen Küsten und Inseln weithin sichtbare Auswirkungen und hat katastrophale Folgen für Strände und Inseln. „Eine Insel kann ganz einfach verschwinden“, so Welland.

Kommentare zu " Raubbau an einem wichtigen Rohstoff: Sand wird zur Schmuggelware"

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  • ... und was fuer eine schwachsinnige Ueberschrift ist das hier: Indonesischer Kahn-Kapitaen mit Kippe im Mund ? Was hat das mit dem Inhalt zu tun ? "Journalismus neu" ?

  • Ich fürchte, das Sommerloch naht ;–))

    Schönes WE

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

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