Raubbau an einem wichtigen Rohstoff: „The World“ ist nur eine Fata Morgana

Raubbau an einem wichtigen Rohstoff
Sand wird zur Schmuggelware

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„The World“ ist nur eine Fata Morgana

Das sind zwar gewaltige Investitionen. Doch dafür ist der Sand selbst kostenlos. Und so wird die Armada der Schwimmbagger immer größer. Mehrere Tausend Schiffe durchkämmen die Meere, um die immer gierigere Kundschaft beliefern zu können.

Dubai ist ein eklatantes Beispiel für diese Gier. Vom Fischerdorf wandelte sich die Siedlung auf der arabischen Halbinsel zum Mekka der modernen Architektur. Sie ist ein Sandkasten für größenwahnsinnige Baulöwen. Erlaubt ist alles, was einzigartig und monumental ist. Doch der Bau-Boom in Dubai schluckt sehr viel Sand.

„Wir verbrauchen sehr viel Sand für Bauprojekte, aber auch für die Landgewinnung. Dubai und seine künstlichen Inseln sind da ein sehr gutes Beispiel“, erläutert Geologe Welland. Der Sandverbrauch durch Aufschüttungen breche alle Rekorde.

Im Wirtschaftsboom startete das Emirat das ehrgeizige Landgewinnungsprojekt „The Palm“. Die Scheichs begannen das Projekt im Jahr 2001, als die Grundstückspreise nach oben schnellten. Es besteht aus einer Inselgruppe vor der Küste der Stadt, die von oben betrachtet wie eine Palme aussieht. Damals war es billiger, eine ganze Insel im Meer aufzuschütten, als ein Grundstück auf dem Festland zu erwerben. „Diese erstaunliche Tatsache war das Ergebnis von Grundstückspekulationen“, erläutert Malhebre.

Dieses selbsternannte, achte Weltwunder hat 12 Milliarden Dollar gekostet und fast 150 Millionen Tonnen Sand verschlungen, der vor der Küste von Dubai aus dem Meer gewonnen wurde. Noch während „The Palm“ in Bau war, starteten die Scheichs ein weiteres, noch ehrgeizigeres Projekt: „The World“. Das Archipel aus 300 Inseln formt die Welt mit ihren Kontinenten - und hat bislang 14 Milliarden Dollar und dreimal mehr Sand verschlungen als „The Palm“.

Filmemacher Delestrec spielt einen Werbefilm für „The World“ mit launiger Musik ein. Dann blendet er über zu neueren Luftaufnahmen und dramatischeren Klängen. Heute ist „The World“ nur noch eine Fata Morgana. Die Finanzkrise hat die Ausbaupläne durchkreuzt. Auch der Bau zweier weiterer „Palmen“ stockt. Die Großteils verwaisten Inseln warten auf Milliardäre, die sich ihrer annehmen. So soll das Image Dubais wieder aufpoliert werden.

Für das Staatsunternehmen des Emirats, Nakheel, ist das nicht nur eine finanzielle Krise, sondern eine existenzielle. Die Sandreserven vor der Küste sind durch das Projekt aufgebraucht. Das bauwütige Emirat steckt in der Klemme. Doch warum? Man würde denken, dass der Wüstenstaat eigentlich Sand exportieren könnte. Warum bedient sich das Emirat nicht einfach in der Wüste?

„Sie wollten die erste Insel der Palme mit Wüstensand bauen. Doch das mussten sie sehr schnell aufgeben. Es war eine einzige Katastrophe“, erläutert Malhebre. Sand-Experte Welland erklärt die Hintergründe. „Wüstensand ist für den Bau künstlicher Inseln nicht geeignet.“ Wüstensand werde durch den Wind umhergewirbelt. Die Körner seien dadurch sehr rund und glatt. „Werden sie zum Bau einer Insel verwandt, halten Sie nicht zusammen. „Dafür braucht man Körner mit einer rauen, kantigeren Oberfläche, die ganz natürlich aneinander haften bleiben“, so Welland. Diese Beschaffenheit weist nur der Sand aus dem Meer auf.

Kommentare zu " Raubbau an einem wichtigen Rohstoff: Sand wird zur Schmuggelware"

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  • ... und was fuer eine schwachsinnige Ueberschrift ist das hier: Indonesischer Kahn-Kapitaen mit Kippe im Mund ? Was hat das mit dem Inhalt zu tun ? "Journalismus neu" ?

  • Ich fürchte, das Sommerloch naht ;–))

    Schönes WE

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

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