Razzia
EU vermutet Pharma-Kartell

Die EU-Kommission hat Pharmaunternehmen wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das Kartellrecht durchsucht. Die Kommission habe bereits am Montag in mehreren Mitgliedsstaaten mit den unangemeldeten Nachprüfungen begonnen, erklärte die Wettbewerbsaufsicht am Dienstag in Brüssel.

HB BRÜSSEL/FRANKFURT. Es gebe Hinweise, dass die nicht namentlich genannten Firmen verbotene Kartellabsprachen getroffen und ihre marktbeherrschende Stellung missbraucht hätten. Bei den deutschen Pharmafirmen Boehringer Ingelheim und Merck hieß es, bei ihnen habe es keine Durchsuchungen gegeben. Ein Sprecher des Leverkusener Bayer-Konzerns sagte, ihm sei von einer solchen Untersuchung nichts bekannt.

Der Kommission zufolge ist die Überprüfung noch in einer frühen Phase. Daher bedeute es nicht, dass durchsuchte Unternehmen sich auch wettbewerbsschädlich verhalten hätten, teilte sie mit. Die Razzien stünden zudem nicht in Zusammenhang mit der zu Jahresbeginn eingeleiteten Untersuchung der Branche. Allerdings merkten die Wettbewerbshüter an, mit dem dadurch gewonnenem Wissen habe die Kommission erkannt, wie sie in dem neuen fall vorgehen müsse. Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes will Freitag einen Bericht zur Sektorüberprüfung vorlegen. Darin würden mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen zufolge die Unternehmen für die Art und Weise kritisiert, wie sie ihre Patente verlängerten und bei Rechtsstreitigkeiten gegen Generika-Anbieter vorgingen. Kroes hatte bei Start der Untersuchung im Januar den Verdacht geäußert, dass die Firmen mit illegalen Absprachen und dem Missbrauch ihrer Patente den Marktstart günstiger Nachahmermedikamente verzögert haben. Mit der Androhung von Geldstrafen oder anderer Sanktionen für einzelne Unternehmen wird am Freitag noch nicht gerechnet.

Durchsuchungen hatte es zu Jahresbeginn sowohl bei den Herstellern von Originalpräparaten wie auch bei Generikafirmen gegeben, darunter die britischen Konzerne AstraZeneca und GlaxoSmithKline, dazu Pfizer und Merck & Co aus den USA. Auch die französische Sanofi-Aventis, sowie die Generikahersteller Teva aus Israel und Sandoz, die Generikatochter des Schweizer Novartis-Konzerns, waren betroffen.

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