Razzia
Kurstrickserei: Wiedeking unter Verdacht

Die Übernahmeschlacht zwischen Volkswagen und Porsche hat ein juristisches Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat den Sportwagenbauer Porsche am Donnerstag wegen möglicher Verstöße gegen das Aktienrecht im Zusammenhang mit der VW-Übernahme durchsucht. Im Visier: Ex-Vorstandschef Wendelin Wiedeking.

STUTTGART/FRANKFURT. An der Aktion, die bis in den Nachmittag dauerte, waren etwa 30 Beamte beteiligt. Porsche zeigte sich kooperationsbereit. Man sei an einer schnellen Aufklärung interessiert und habe nichts zu verbergen. Im Visier der Ermittler ist vor allem die frühere Porsche-Führung um Ex-Vorstandschef Wendelin Wiedeking. Gegen ihn und seinen ehemaligen Finanzchef Holger Härter ermitteln die Behörden nach Hinweisen der Finanzaufsicht BaFin. Der Verdacht: Insiderhandel und Kursmanipulation. Hintergrund ist der sagenhafte Kurssprung der VW-Aktie vor allem im Herbst 2008, für den die damalige Porsche-Führung mit verdeckten Aktien-Geschäften selbst mitverantwortlich war.

Die BaFin erklärte, sie habe Anfang August bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart Anzeige wegen des Verdachts auf Marktmanipulation erstattet. Die Anzeige beziehe sich dabei nur auf einen Teilaspekt, die Untersuchung der Übernahme sei noch nicht abgeschlossen. Schon im Mai hatte die "Wirtschaftswoche" gemutmaßt, mögliche Kursmanipulationen könnten ein Nachspiel für den damaligen Porsche-Chef Wiedeking haben.

Die BaFin untersucht demnach nicht nur die Ursachen der Kursbewegungen im vergangenen Jahr, auch die jüngsten Kursturbulenzen der VW-Aktie haben die Behörde auf den Plan gerufen. Die Stammaktien von VW verloren seit vergangenem Freitag rund 40 Prozent an Wert, nachdem das Emirat Katar von Porsche Optionen auf 17 Prozent der VW-Stämme gekauft hatte. Umgekehrt legte der Kurs der VW-Vorzugsaktien seit Wochenbeginn um rund 15 Prozent zu. Dafür sorgten unter anderem Meldungen, dass Katar von Porsche auch Optionen auf 50 Prozent der Vorzüge erwirbt. Zudem spekulierten Investoren auf einen Austausch der Stämme gegen die Vorzüge im Dax.

In der womöglich spektakulärsten Übernahmeschlacht der deutschen Wirtschaftsgeschichte schlagen die Ermittler mit ihrer Durchsuchungsaktion ein neues Kapitel auf. Mitte 2005 hatte Porsche erstmals ein Aktienpaket des zehnmal größeren Volkswagenkonzerns gekauft und wenige Monate danach begonnen, die Übernahme von Volkswagen durch den Aufbau weitreichender Geschäfte mit Aktienoptionen auf VW vorzubereiten. Porsche erhöhte seinen Anteil an VW sukzessive und sicherte sich den Zugriff auf mehr als 74 Prozent der VW-Stammaktien. Als dies der Stuttgarter Sportwagenbauer am 26. Oktober 2008 offiziell mitteilte, explodierte der Kurs der VW-Aktie auf über 1 000 Euro, Volkswagen war in diesem Augenblick das mit Abstand teuerste Unternehmen der Welt.

Herbe Kritik am Vorgehen von Porsche gab es daraufhin bereits auf der Hauptversammlung von Porsche im Januar. Fünf große Investmentfonds kritisierten, Wiedeking habe mit seiner Übernahmetaktik bei VW dem Ansehen des Finanzplatzes Deutschland geschadet. Außerdem lägen Anhaltspunkte für Kursmanipulation vor.

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