Razzien bei Trafo-Herstellern
Neuer Ärger im Hause Siemens

Nach Verhängung eines Rekordbußgelds wegen illegaler Preisabsprachen durch die EU-Kommission droht dem Technologiekonzern Siemens neuer Ärger aus Brüssel.

HB BRÜSSEL. EU-Ermittler haben in der vergangenen Woche Hersteller von so genannten Netztransformatoren in Deutschland, Österreich und Frankreich wegen des Verdachts verbotener Preisabsprachen durchsucht - darunter auch Siemens. Das teilte der Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes am Dienstag in Brüssel ohne Nennung der Firmen mit. Diese Transformatoren dienen dazu, die Spannung in elektrischen Netzen zu regeln.

Die Razzien fanden am Mittwoch und Donnerstag vergangener Woche statt. Falls die Kommission ihren Verdacht erhärten kann und Kartellverfahren gegen die Unternehmen einleitet, drohen hohe Bußgelder von bis zu zehn Prozent eines Unternehmensumsatzes. Die Kommission hat derzeit die Energiebranche besonders im Visier.

Beim Technologiekonzern Siemens ist die Energieübertragungssparte PTD von dem Fall betroffen. Das Unternehmen hat drei Mitarbeiter vorläufig suspendiert, da sie im Verdacht stehen, sich zwischen 2001 und 2003 an Absprachen bei Leistungstransformatoren beteiligt zu haben, wie Siemens am Dienstag mitteilte. An dem Kartell für den deutschen Markt seien fünf Unternehmen beteiligt gewesen, darunter auch die von Siemens übernommene österreichische VA Tech.

„Siemens ist an der schnellen und vollen Aufklärung des Sachverhalts interessiert und hat der EU-Kommission volle Unterstützung und Kooperation zugesichert. Der EU-Kommission wurden bereits Ermittlungsergebnisse übermittelt“, teilte der Konzern mit. „Wir wollen, dass mögliche Unregelmäßigkeiten schnell und zügig aufgeklärt werden und ziehen unsere Konsequenzen“, erklärte Siemens-PTD-Chef Udo Niehage. „Solche Einzelfälle werfen ein schlechtes Licht auf die ordentlichen Leistungen aller anderen Mitarbeiter“, fügte er hinzu.

Erst Ende Januar hatte die EU-Kommission Siemens wegen Absprachen bei gasisolierten Schaltanlagen in Umspannstationen - ebenfalls ein Produkt von PTD - eine Rekordstrafe von rund 420 Mill. Euro aufgebrummt. Am Donnerstag zog die tschechische Wettbewerbsbehörde wegen des gleichen Delikts nach und fordert von Siemens eine Geldbuße von 12,4 Mill. Euro. Siemens hat beide Strafen als unangemessen bezeichnet und will juristisch gegen sie vorgehen. Untersuchungen wegen des Schaltanlagen-Kartells laufen noch in Australien, Neuseeland und Brasilien.

In der vergangenen Woche hatten norwegische Wettbewerbshüter Büros der Siemens-Sparte Gebäudetechnik in dem skandinavischen Land durchsucht. Sie werfen dem Unternehmen dort Absprachen beim Service und bei der Wartung von Brandschutzanlagen vor.

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