Reaktion auf die drastische Korrektur bei Royal-Dutch/Shell
Energie-Branche fordert Standard zur Bewertung von Ölreserven

In der Energiebranche wird nach dem „Shell-Schock“ der Ruf nach neuen Standards zur Bewertung von Ölreserven laut. Beim britischen Konzern BP plc heißt es, man würde einheitliche Bewertungsregeln unterstützen. Auch Analysten halten dies für notwendig.

LONDON. Hintergrund ist, dass bislang unterschiedliche und alte Standards bei der Bewertung von Ölreserven benutzt werden. Nachdem der Konzern Royal Dutch/Shell Group vergangene Woche die Märkte mit einer drastischen Korrektur des Werts seiner Vorkommen geschockt hat, stellen Analysten auch die Reserven anderer Ölriesen in Frage.

Die geltenden Regelungen der zuständigen US-Börsenaufsicht SEC stammen aus dem Jahr 1934 und berücksichtigen nicht den heutigen Stand der Fördertechnik – nach Ansicht von Branchenexperten ist diese aber ein wesentliches Kriterium für die Bewertung von Reserven. Darum sei es an der Zeit, dass die SEC ihre Standards überprüfe, heißt es.

„Die neuen SEC-Regeln müssen aber für alle gleich gelten“, sagt ein BP-Sprecher in London zu dem Vorstoß. Denn ein Probleme bei der Bewertung sei, dass es „fast so viele Definitionen wie Länder“ gebe, pflichtet Michael Lynch-Bell, Energieanalyst bei Ernst & Young, bei. Vor allem zwischen privaten Unternehmen und den staatlichen Ölkonzernen ist der Unterschied besonders groß. So bewerte die Regierung von Saudi Arabien ihre Ölvorkommen völlig anders als der US-Weltmarktführer Exxon-Mobil.

Aber auch unter den privaten Ölkonzernen gibt es Nuancen. „Gib zehn Ingenieuren die gleichen Daten und nicht zwei werden eine einheitliche Antwort geben“, spöttelt Experte Horace Brock. So wurde ein gemeinsames Ölfeld bei Shell als Reserve gebucht, nicht aber bei Exxon. Für Brock existiert die oft unterstellte wissenschaftliche Präzision bei der Erfassung von Ölreserven nicht. Zwar müssen die Unternehmen der SEC regelmäßig den Stand ihrer Reserven bestätigen, eine Prüfung durch Dritte findet jedoch nur freiwillig statt. Für Anleger ist das bitter. Der Stand der Reserven schlägt sich zwar nicht in der Bilanz nieder, für Investoren ist er aber wichtiges Bewertungskriterium. „Viele sind sehr beunruhigt“, sagt Jim Washer vom Branchendienst Petroleum Intelligence Weekly.

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