Reaktion auf Kritik
Eon Ruhrgas vereinfacht Netzzugang

Deutschlands größter Energiekonzern Eon versucht mit eigenen Initiativen zur Belebung des Wettbewerbs die wachsende Kritik aus der Politik zu entkräften. Nur wenige Wochen nach einem ersten Maßnahmenpaket für den Strommarkt versprach das Unternehmen gestern, Konkurrenten die Nutzung des Gasnetzes zu erleichtern.

DÜSSELDORF. Die Tochter Eon Ruhrgas wolle die Marktgebiete, in die das eigene Netz in Deutschland eingeteilt ist, von vier auf zwei verringern, um den Gashandel zu vereinfachen, erklärte Vorstandschef Burckhard Bergmann. Zudem wolle das Unternehmen die Leitungskapazitäten an den Grenzen ausbauen, damit neue Wettbewerber leichter Gas nach Deutschland bringen können.

Seit dem 1. Oktober gelten auf dem deutschen Gasmarkt neue Regeln. Während bislang ein Gashändler bei den Betreibern der Netze den Transportweg im Detail buchen musste, muss er jetzt nur noch Ein- und Ausspeisepunkte angeben. Entscheidend angekurbelt wurde der Wettbewerb dadurch aber noch nicht. Nach Auffassung der neuen Anbieter ist der Gastransport noch immer zu kompliziert. Unter anderem fordern sie eine drastische Reduzierung der Marktgebiete, in die das bundesdeutsche Fernleitungsnetz eingeteilt ist und in denen Händler jeweils die Nutzung anmelden müssen. Im neuen Modell gibt es immer noch 19 solcher Regionen.

„Die Ankündigung von Eon ist ein Schritt in die richtige Richtung. Ob sie den Wettbewerb voran bringen kann, muss sich aber zeigen“, wertete Andreas Jahn, Gasexperte beim Bundesverband Neuer Energieanbieter. Die anderen Unternehmen müssten sich dem Beispiel anschließen. Detlef Weidemann, Vertriebsvorstand des unabhängigen Gashändlers Natgas, sprach von einem „sehr positiven Signal“.

„Wir gehen davon aus, dass nun auf die anderen Unternehmen Druck entsteht, die Marktgebiete insgesamt zu reduzieren“, sagte Bergmann. RWE erklärte sich gestern bereits auf Anfrage zur Kooperation bereit.

Dass Ruhrgas noch an zwei Gebieten festhält, begründete Bergmann mit den zwei unterschiedlichen Gas-Qualitäten im deutschen Netz. Das so genannte L-Gas, das aus deutscher und niederländischer Produktion stammt, einen geringeren Brennwert hat und rund 15 Prozent des deutschen Verbrauchs deckt, könne nicht mit H-Gas aus russischer und norwegischer Förderung gemischt werden.

Bergmann betonte, dass durch die Verringerung der Marktgebiete die Anforderung an das Netzmanagement deutlich ansteigen würden, um den Händlern ausreichend Kapazitäten zu gewährleisten. Er rechnet für die Umstellung des Systems mit Kosten in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe.

Mit der Initiative dürfte der Marktführer versuchen, sein Image in der Öffentlichkeit zu verbessern und vor allem die Politik milde zu stimmen. Den Versorgern weht wegen der hohen Energiepreise zur Zeit ein harter Wind entgegen. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos plant eine drastische Verschärfung des Kartellrechtes. Hierzu trifft er sich am kommenden Mittwoch mit Vertretern der großen vier Energiekonzerne Eon, RWE, Vattenfall Europe und Energie Baden-Württemberg. Einzelne Länderminister fordern sogar eine Entflechtung der Energieriesen. Und auch die EU-Kommission will mit aller Macht die Dominanz der großen Versorger brechen.

Eon hatte Ende Oktober bereits Maßnahmen zur Belebung des Stromwettbewerbs angekündigt und unter anderem versprochen, Kraftwerke von neuen Anbietern bevorzugt ans Netz anzuschließen. Die Konkurrenz ist ebenfalls in die Offensive gegangen. RWE etwa hat Investitionen in neue Kraftwerke versprochen.

Glos begrüßte gestern die Ankündigung von Eon Ruhrgas als wichtigen Beitrag zur Belebung des Wettbewerbs am Gasmarkt. „Die angekündigten Maßnahmen setzen an wichtigen Stellschrauben für mehr wettbewerbliche Dynamik am Gasmarkt an“, erklärte er. „Offenbar hat Eon Ruhrgas unsere Signale verstanden.“

Leichte Entspannung bei den Gaspreisen

Kein direkter Effekt
Die Endkunden werden nach den Worten von Eon-Ruhrgas-Chef Bergmann von dem vereinfachten Netzzugang nur indirekt profitieren. Mit sinkenden Gaspreisen sei zunächst nicht zu rechnen. Es müsse sich erst zeigen, ob neue Anbieter effizienter arbeiten und billiger Gas auf den deutschen Markt bringen könnten.

Preissenkung
Eine Entspannung an der Preisfront gibt es aber dennoch. Eon Ruhrgas hat angekündigt, zum Jahreswechsel seine Preise im Großhandel zu senken. Die Gasnotierungen sind an den Ölpreis gebunden – und der hat zuletzt nachgegeben.

Prognose
Sollte der Trend anhalten, ist nach Bergmanns Worten zum ersten April eine weitere Senkung der Großhandelspreise denkbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%