Reaktion auf Shell
Deutsche Großkonzerne bekennen sich zu Europa

Deutsche Großkonzerne haben angekündigt, ihre liquiden Mittel trotz Krise in Europa zu behalten. Damit reagierten sie auf die Pläne des Ölkonzerns Shell, der Milliardenbeträge aus der Euro-Zone abziehen will.
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StuttgartDeutsche Großkonzerne horten trotz Staatsschuldenkrise weiterhin ihre liquiden Mittel in Europa. „Wir sind und bleiben ein europäisches Unternehmen und stehen zum Euro“, teilte der Softwarekonzern SAP am Mittwoch in Walldorf mit. „Entsprechend der Unternehmensstrategie legen wir unsere liquiden Mittel so diversifiziert wie möglich in Euro an“, hieß es weiter.

Am Dienstag war bekannt geworden, dass der britisch-niederländische Ölkonzern Royal Dutch Shell bis zu 12,2 Milliarden Euro aus Europa abziehen will. „Es gab ein Umdenken hinsichtlich unserer Bereitschaft, Kreditrisiken in Europa einzugehen“, hatte der Shell-Finanzvorstand Simon Henry der britischen Zeitung „Times“ gesagt. Er begründete den Schritt mit der Krise im Euroraum.

Ähnliche Bedenken hegen die deutschen Großkonzerne zumindest öffentlich nicht. Auch ein Daimler-Sprecher betonte, der Konzern werde seine Anlagepolitik nicht ändern. „Wir haben darauf geachtet, unser Risiko zu diversifizieren“, sagte er. Die Liquidität des Konzerns sei auf mehr als 100 Banken verteilt.

Ein Sprecher des Chemiekonzerns BASF sagte: „Wir unterhalten seit vielen Jahren Geschäftsbeziehungen zu unterschiedlichen Banken im europäischen wie im außereuropäischen Raum.“ Ein Monitoring-System erlaube es, schnell auf Entwicklungen zu reagieren und das Geld innerhalb des Bankensystems zu verschieben. „Das ist aber etwas, das permanent passiert“, betonte er. Die Strategie werde wegen der Krise nicht geändert.

Nach Ansicht von Experten ergibt die Anlage in anderen Wirtschaftsräumen ohnehin nur unter bestimmten Umständen Sinn. „Für Anleger und Unternehmen ist es sinnvoll, in der Währung das Geld anzulegen, in der sie letztlich das Geld auch wieder ausgeben wollen“, sagte ein Sprecher von Allianz Global Investors, der Vermögensverwaltung des Versicherungskonzerns. „Daher ist es nicht falsch, dass Shell in den Dollar-Raum geht, weil der Großteil des Geschäfts in Dollar abgewickelt wird“, fügte er hinzu.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Reaktion auf Shell: Deutsche Großkonzerne bekennen sich zu Europa"

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  • Die meisten Opportunisten-Konzerne haben ja auch kein Guthaben, sondern Schulden. Sie profitieren von Geldmengenflut, Billigzinsen und Inflation.

    Im Gegensatz zu den Politiker handeln die vernünftig, denn sie wollen sich auf Kosten der Kleinanleger und Rentner bereichern. Die Exportfirmen profitieren auch von der Ausbeutung der Importsklavenländer bis aufs Blut und von der Rettung durch den deutschen Normalbürger ebenso, denn dann kann der Import von Arbeitsplätzen aus den PIIGSF- Ländern noch 10 Jahre weitergehen wie gehabt. Danach ist aber Sense. Der Euro scheitert früher oder später. Um so süäter desto dramatischer.

    Nur diesem Autor scheint das schleierhaft zu sein.

  • "Deutsche Großkonzerne bekennen sich zu Europa"

    Aber natürlich *lol* und die Spareinlagen der Bürger sind sicher....ich weiss! *lach*

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