Reaktion der Mercedes-Mitarbeiter
Zwischen Fassung und Verzweiflung

Für Donnerstag zehn Uhr hatte der Konzern die Betriebversammlung zu den geplanten Stellenstreichungen einberufen. Viele Mercedes-Arbeiter hatten die bittere Nachricht vom ersten großen Stellenabbau in der Geschichte der Nobelmarke aber bereits vorher erwartet.

HB STUTTGART/BREMEN. „Fragen sie nicht, wie ich mich fühle“, sagt eine Frau und betrat mit verschlossener Miene das Werksgelände. Wie ihr ging es den meisten Arbeitnehmern des Autobauers. „Nur nichts falsches sagen“, hatten sich viele wohl vorgenommen und gingen unbeirrt auf das Werkstor zu. „Es war klar, dass es irgendwann so kommt. Die Auftragslage ist halt schlecht“, sagte hingegen ein 23 Jahre alter Industrie-Elektroniker auf dem Weg zur Betriebsversammlung. 3100 Stellen sollen allein in Sindelfingen fortfallen, dem mit 31 100 Beschäftigten größten Mercedes-Werk.

„Ich könnte Kündigungen und den Versuch damit das Unternehmen zu retten ja sogar verstehen“, sagte ein älterer Mann, der seinen Namen lieber nicht nennen wollte. Aber er habe Verpflichtungen: zwei studierende Kinder und Schulden für ein kleines Haus. „Wenn ich jetzt meinen Job verliere, dann weiß ich nicht wie es weitergehen soll“, sagte er mit einem Schulterzucken, bevor er von einer Pförtnerin unwirsch unterbrochen wurde.

Sie habe strikte Anweisungen erhalten, die Presse von Gelände und Arbeitnehmern fern zu halten, erklärte sie ihr brüskes Verhalten. Von nervös über ängstlich bis sogar feindselig reichte aber auch die Mimik der Männer und Frauen, die mit großen Schritten auf das Werkstor zugingen. „Ich habe große Angst“, sagte eine Frau, die Tina genannt werden will, schlicht. Sie sei erst 52 und mit einer Abfindung käme sie bis zur Rente niemals über die Runden. Gegen zehn kehrte Ruhe vor dem Werkstor ein. Nur vereinzelt hasteten noch ein ein paar verspätete Arbeitnehmer verspätet durch das Tor.

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