Reaktionen auf den drastischen GM-Sparkurs
Opel-Beschäftigte zwischen Wut und Verzweiflung

General Motors baut beim Autobauer Opel massiv Stellen ab. Am Tag der Entscheidung ist die Wut der Opel-Mitarbeiter darüber aber auch oft in stumme Verzweiflung umgeschlagen.

HB RÜSSELSHEIM/BOCHUM. „Wir wissen immer noch nichts Genaues, und was wir wissen, wissen wir aus der Presse“, sagt ein 48-jähriger Arbeiter in Rüsselsheim beim Gang in die Mittagspause. Seinen Namen will er auf keinen Fall nennen. Die meisten seiner Kollegen schütteln nur den Kopf und gehen stumm weiter. Leitende Angestellte, mit Anzug und Krawatte, haben auf die Frage nach der Zukunft des Standortes Rüsselsheim nur eine Antwort: „Kein Kommentar“.

Einige Arbeiter machen ihrem Unmut über das Management Luft. „Der Forster (früherer Opel-Chef und jetzt Vizepräsident für GM- Europa) ist schuld und wird auch noch befördert.“ Yazici Bülent empört sich über die Strategie des Unternehmens, die Belegschaften der Werke gegeneinander auszuspielen: „Erst war es Rüsselsheim gegen Schweden und jetzt kommt noch Bochum dazu.“

Auch in Bochum stehen den Opel-Arbeiter Verzweiflung und Wut ins Gesicht geschrieben. „Die Manager haben den Laden in den Dreck gefahren“, wettert ein Arbeiter beim Schichtwechsel. „Die müssten zur Verantwortung gezogen werden. Stattdessen müssen wir kleinen Arbeiter bluten.“ Das Einzige, was jetzt noch helfe, seien Streiks. Die ersten legen am Nachmittag spontan die Arbeit nieder, zeigen sich kampfeslustig.

Mit wütenden Protesten haben dann am Abend in Bochum knapp 1500 Mitarbeiter des Autoherstellers Opel auf die vom Mutterkonzern General Motors angekündigten massiven Stellenstreichungen reagiert. Der Leiter der Personalkommission, Lothar Marquardt, kündigte an, die Proteste sollten auch in der Nacht weitergehen. Nach seiner Einschätzung werde die bereits am Nachmittag niedergelegte Arbeit in den Bochumer Opel-Werken auch am Freitag nicht wieder aufgenommen.

Die Opel-Mitarbeiter machten mit Transparenten und mit lautstarken Rufen ihrem Unmut sowohl über das Management als auch über die Gewerkschaft IG Metall Luft. Die IG Metall habe die Opelaner „verkauft“, hieß es mehrfach.

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