Rechtsstreit
Ein Texaner in der Pfalz

In der pfälzischen Provinz geht eines der skurrilsten Wirtschaftsverfahren in die nächste Runde. Vor dem Landgericht Frankenthal streitet der Ölmilliardär Richard Moncrief mit BASF um ein russisches Gasfeld. In dem Prozess geht es jedoch nicht nur um die gigantischen Gasvorräte.

DÜSSELDORF. Das Foto zeigt einen korpulenten Mann, der in einem Flugzeug sitzt. Vor ihm ein kleiner Tisch, auf dem Teller, Gewürze und eine Grünpflanze stehen, im Hintergrund braune Gardinen vor einem der Flugzeugfenster. Der Mann trägt über seinem weißen Hemd einen dunkelblauen Pullunder. Er hält einen Stift in der rechten und ein Blatt Papier in der linken Hand.

Der Mann ist angeblich der Russe Wladimir Nikiforov, ehemals Generaldirektor der Gazprom-Tochter Zapsibgazprom (ZSGP). Das Foto ist vor fast zehn Jahren entstanden, am 17. September 1997, als Nikiforov gerade im Firmenjet von Gazprom einen Vertrag unterzeichnet haben soll – einen sehr wichtigen Vertrag, der einem amerikanischen Investor eine Beteiligung an dem äußerst lukrativen sibirischen Gasfeld Juschno Russkoje zusichert.

Das Foto wird am kommenden Donnerstag eine wichtige Rolle in einem Prozess vor dem Landgericht Frankenthal spielen. Dort in der pfälzischen Provinz geht eines der skurrilsten Wirtschaftsverfahren in die nächste Runde – ausgelöst von dem US-Ölmilliardär Richard Moncrief.

Der Texaner behauptet Nikiforovs Vertragspartner zu sein, der Mann, der an der Ausbeutung von Juschno Russkoje beteiligt werden sollte. Doch dazu ist es nie gekommen. Moncrief fühlt sich um seine Rechte betrogen. Weil er der russischen Justiz nicht traut, klagt der Chef des Familienkonzerns aus Dallas nicht gegen Gazprom in Moskau, sondern gegen den deutschen BASF-Konzern. Dessen Tochter ist inzwischen von der Gazprom-Führung als Partner für Juschno Russkoje ausgewählt worden – zum Schaden von Moncriefs Ölgesellschaft, wie der Mann behauptet.

In dem Prozess geht es um einiges: zunächst um die Besitzverhältnisse an einem gigantischen Gasfeld, dessen Reserven von rund 700 Milliarden Kubikmetern vor allem den wachsenden Bedarf im Westen decken sollen und die zu einem guten Teil die geplante Ostseepipeline füllen soll. Es geht auch um 8,5 Milliarden Dollar Schadensersatz, den Moncrief fordert. Um eine Antwort auf die Frage, wie vertragstreu Russen prinzipiell sind. Und es geht um die Schwierigkeiten, die der Texaner hat, im Westen an sein Recht und in Russland an Beweise zu kommen.

Die Moncrief-Familie hat in ihrer Firmengeschichte bereits Biss und Durchsetzungsvermögen bewiesen. Richards Großvater Monty war 1931 in Texas auf Öl gestoßen. Richards Vater William machte das Unternehmen zu einem der größten privaten Ölförderer in den USA und häufte ein Milliardenvermögen an. Aber weil die Öl- und Gasquellen in der Heimat nicht mehr so sprudeln, drängt Moncrief Oil inzwischen verstärkt ins Ausland. Es ist in Afrika, dem Nahen Osten und in Aserbeidschan aktiv.

Auch mit Prozessen hat das Unternehmen Erfahrung. 1994 war es in die Schlagzeilen geraten, als 64 bewaffnete Beamte die Firmenzentrale durchsuchten – eine Steuerprüfung der besonderen Art, die am Ende vor Gericht landete.

Die Geschichte um Juschno Russkoje ist ebenso schillernd wie verworren. Nach Moncriefs Darstellung hat er an jenem kalten Septembertag 1997 eine verbindliche Vereinbarung mit Zapsibgazprom getroffen. Inhalt: Moncrief liefert Geld und Know-how für Erschließung und Ausbeutung des Gasfelds. Im Gegenzug bekommt er 20 Prozent des Ertrags.

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