Industrie

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Rede in Rüsselsheim: GM-Chef verspricht Opel die Treue

Besuch aus Detroit bedeutete in Rüsselsheim zuletzt nichts Gutes. Doch bei seinem Besuch am Opel-Stammsitz gibt GM-Chef Akerson diesmal ein Versprechen ab: Opel wird nicht verkauft.

General Motors-Chef Dan Akerson schwört den Mitarbeitern in Rüsselsheim die Treue. Quelle: dpa
General Motors-Chef Dan Akerson schwört den Mitarbeitern in Rüsselsheim die Treue. Quelle: dpa

HamburgGeneral Motors will das Steuer bei Opel nach Jahrzehnten des Missmanagements aus eigener Kraft herumreißen. Vorstandschef Dan Akerson reiste am Donnerstag überraschend nach Rüsselsheim, um die Belegschaft auf den neuen Kurs einzuschwören. Einen immer wieder diskutierten Verkauf der deutschen Tochter schloss Akerson in seiner Rede vor 5000 Opelanern kategorisch aus: "Nichts liegt mir ferner als das." Während der US-Rivale Ford in Europa drei Werke schließt und Tausende Arbeiter entlässt, will GM das verlustreichen Europageschäft offenbar im Schulterschluss mit der Belegschaft auf Kurs bringen. Zur Zukunft einzelner Werke äußerte sich Akerson allerdings nicht.

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"Einige von Ihnen erinnern sich vermutlich noch an die Rekordgewinne von Opel in den frühen 1990er Jahren. Aber andere unter Ihnen kennen Opel gar nicht als erfolgreiches, gewinnbringendes Unternehmen", rief der Chef des Detroiter Konzerns den versammelten Beschäftigten in einer Werkshalle zu. "Das will ich so schnell wie möglich ändern - Opel soll wieder wachsen. Das ist unser gemeinsames Ziel", beschwor der Akerson die durch einen jahrelangen Zickzackkurs verunsicherten Mitarbeiter.

Das sind Opels Baustellen

  • Worum geht es bei den Verhandlungen zum Deutschland-Plan?

    Generell geht es um die Frage, wie der kriselnde Hersteller mehr Autos verkaufen, Beschäftigung sichern und wieder Geld verdienen kann. Im Detail wird über neue Modelle, Motoren und Märkte, die Fertigung markenfremder Modelle wie Chevrolets in Opel-Werken sowie über Einsparungen gesprochen. Das Management will Produktionskosten senken, aber auch am Personal sparen. Nach aktuellen Stand sollen betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2016 und damit zwei Jahre länger als bisher festgelegt ausgeschlossen werden.

  • Drohen Werkschließungen oder Massenentlassungen?

    Jedenfalls nicht sofort. Das Management hatte angeboten, das Werk Bochum nicht wie ursprünglich angestrebt Anfang 2014 sondern erst mit dem Auslaufen der Zafira-Produktion zwei Jahre später zu schließen. Damit gewinnt der Standort Zeit. Die Hoffnung auf eine bessere Marktentwicklung bleibt erhalten.

  • Wie kann Opel ohne Werksschließungen auf Überkapazitäten reagieren?

    Bei den Verhandlungen ging es auch um freiwillige Abfindungsprogramme und Vorruhestandsregelungen. So soll nach und nach sozialverträglich Beschäftigung abgebaut werden. Aktuell hat Opel nach Betriebsratsangaben noch etwa 38 000 Beschäftigte - nach der jüngsten Sanierung Ende 2010 waren es noch 40.000.

  • Welchen Sanierungsbeitrag könnten die Beschäftigten leisten?

    Zunächst verzichten die Mitarbeiter erneut auf Lohn. Von November an wird die jüngste Metall-Tariferhöhung von 4,3 Prozent erneut gestundet. Falls es eine Einigung über die Zukunft der deutschen Opel-Werke gebe, könnten die erneut gestundeten Millionen auch „in einer Gesamtkonzeption aufgehen“, sagt der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel. Wie das aussehen könnte, ist unklar. Kommt keine Einigung zustande, zahlt Opel das gestundete Geld nachträglich aus.

  • Was bedeutet die Allianz mit PSA für die Opel-Beschäftigten?

    Glaubt man dem Unternehmen, wird die Zusammenarbeit mit Peugeot-Citroën keine Jobs bei Opel kosten. Selbst wenn die Partner eines Tages Autos nicht nur gemeinsam entwickeln sondern auch bauen sollten, dürfe das nicht auf Kosten des anderen gehen, betont GM-Vize und GM-Europachef Stephen Girsky: Keine Seite werde ihre Probleme zulasten der anderen lösen. Bei Opel könnten zudem schon 2016 Chevrolets vom Band laufen, um die Überkapazitäten zu senken.

  • Fallen durch die Allianz in den Entwicklungszentren Stellen weg?

    Zwar wollen GM und PSA zunächst vier Fahrzeugplattformen gemeinsam entwickeln. Weder Betriebsrat noch Unternehmen sehen aber Jobs im Rüsselsheimer Entwicklungszentrum gefährdet. Vielmehr könnten die freigesetzten Kapazitäten genutzt werden, um wie versprochen die Entwicklung neuer Modelle voranzubringen.

  • Wie ernst ist die Lage von Opel?

    Opel schreibt seit Jahren Verluste. Jetzt leidet der Hersteller zudem unter der aktuellen Absatzkrise in Europa. Im dritten Quartal schrieb GM in seinem Europageschäft einen Verlust von 500 Millionen Dollar. Für das Gesamtjahr wird ein Betriebsverlust von 1,5 bis 1,8 Milliarden Dollar erwartet.

Die Empfehlung von Analysten, das Geschäft in Europa aufzugeben, zeige, "dass einige Leute überhaupt nicht verstanden haben, wie wichtig Opel für uns ist, wie wichtig Sie für uns sind", sagte Akerson. Als weltweit tätiger Automobilkonzern brauche GM eine starke Präsenz in Europa. Dazu zählte Akerson sowohl das Design- und Entwicklungszentrum als auch die Produktion und die Vertriebsorganisation. "Es gibt sicherlich Platz für Chevrolet in dieser Betrachtung, aber zum großen Teil erfüllt Opel diese Aufgabe für GM. Wir wollen, dass beide Marken wachsen - und zwar profitabel."

Damit schlägt GM bei seiner von Überkapazitäten geplagten Europatochter einen anderen Sanierungskurs ein als Ford, der in den nächsten Jahren drei Werke in Belgien und Großbritannien mit 5700 Beschäftigten schließen will. Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug hatte im Reuters-Interview dafür plädiert, alle Werke und möglichst viele Jobs zu erhalten, die für die Wende in Europa benötigt würden. Die Belegschaft sei durch die Einschnitte der vergangenen 20 Jahren zermürbt.

150 Jahre Opel Nähmaschinen, Laubfrosch und Raketenantrieb

  • 150 Jahre Opel: Nähmaschinen, Laubfrosch und Raketenantrieb
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Zuvor hatte es erneut Spekulationen gegeben, GM könne Opel verkaufen oder mit dem französischen Partner Peugeot in einer neuen Gesellschaft zusammenlegen wollen und sich selbst in Europa auf die GM-Marke Chevrolet stützen. Der US-Konzern hat in den vergangenen zwölf Jahren in Europa etwa 16 Milliarden Dollar verbrannt - verbunden mit mehrere Sanierungsversuchen und zahlreichen Chefwechseln. Die Konzernmutter konnte dies zuletzt jedoch wegen besserer Geschäfte in anderen Regionen wettmachen. Der operative Gewinn kletterte im abgelaufenen Quartal auf 2,3 Milliarden Dollar. Vor einem Jahr hatten 2,2 Milliarden in den Büchern gestanden.

  • 16.11.2012, 08:35 Uhrthomas1966

    "Der Trainer besitzt unser vollstes Vertrauen". Was nach diesem Satz in der Fußballwelt meist schnell passiert, weiß jeder. Gibt's da Parallelen in der Wirtschaft?

  • 15.11.2012, 22:30 UhrMesserschmitt

    Wer sich die gesamten Parameter in den letzten Monaten genauestens angeschaut hat ,sieht den Warheitsgehalt dieser Aussage.Um Opel als "schöne Braut" zu verkaufen muß erst einmal Balast abgeworfen werden.Und das soll GM erledigen,da der Neue kein interesse an Negativ Meldungen, etc., hat.Die Pläne für das "Europäische" Vertriebssystem für GM liegen schon in der Schublade,wobei schon daran teilweise im Feld gearbeitet wird.Dazu braucht man ,zu gegebenen Zeitpunkt,Opel nicht mehr.

  • 15.11.2012, 18:46 Uhrso_what

    General Motors: Wir haben kein Interesse an einem Verkauf von Opel, Werksschließungen oder daran den Markt der Konkurrenz zu überlassen.

    In der Kooperation von General Motors (GM) und dem französischen PSA-Konzern Peugeot Citroën kriselt es gewaltig.
    Nach Informationen der FTD hofft PSA auf Finanzhilfen für die Expansion in Wachstumsmärkte wie China.
    GM suche dagegen lediglich einen Partner für die Sanierung des Sorgenkinds Opel.

    no comment....

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