Reduzierung der Prognose erwartet
Analysten rechnen mit VW-Gewinnwarnung

Analysten räumen Europas größtem Automobilkonzern Volkswagen kaum noch Chancen ein, das Ergebnisziel für das Gesamtjahr aufrecht halten zu können. Schuld daran soll die anhaltend schwache Branchenkonjunktur sein.

HB FRANKFURT. „Es ist wahrscheinlicher, dass die Gewinnwarnung kommt, als dass sie nicht kommt“, sagte ein Analyst von Merck Finck am Dienstag. VW will 2004 sein Vorjahresergebnis vor Sondereinflüssen von 2,5 Mrd. € wieder erreichen. Ein Magazinbericht über eine angeblich bevorstehende Reduzierung der Geschäftsprognosen hatten die Aktien von VW am Montag belastet. VW wollte dies - wie schon am Wochenende - mit dem Verweis auf die Veröffentlichung der Zahlen zum zweiten Quartal am 23. Juli nicht kommentieren. Am Dienstag erholten sich die Anteilsscheine wegen guter Zahlen vom europäischen Automarkt und stiegen in einem freundlichen Gesamtmarkt um rund ein Prozent auf 33,15 €. Auch die Aktien von BMW und Daimler verteuerten sich um jeweils rund ein Prozent.

„Die ACEA-Zahlen waren ermutigend und relativieren die jüngsten Meldungen zu VW wieder ein wenig“, sagte ein auf Autowerte spezialisierter Händler in Frankfurt. Die europäische Vereinigung der Automobilhersteller (ACEA) hatte am Morgen einen Anstieg der Pkw-Neuzulassungen in Europa im Juni um 5,6 % vermeldet. Dabei verbuchten VW und BMW einen Anstieg zum Vorjahr von 1,7 beziehungsweise 7,5 %, während Daimler-Chrysler einen Rückgang um 1,7 % hinnehmen musste.

Analysten verwiesen jedoch darauf, dass der Jahresvergleich bei den Zulassungszahlen durch die höhere Zahl der Arbeitstage in diesem Jahre verzerrt sei. „Hinter dem Anstieg von vier Prozent in Deutschland verbirgt sich eine arbeitstäglich bereinigte Zahl von minus sechs Prozent“, schrieb Nathan Kohlhoff, Autoanalyst bei der Bankgesellschaft Berlin. Der Absatz sei schon allein auf Grund der Kaufanreize nicht so sehr das Problem, sagte ein Analyst. Es komme vielmehr auf die Kostenseite an und da müsse sich zeigen, ob Volkswagen in den Quartalszahlen erste positive Effekte verzeichnen könne.

Michael Ponzet von der Landesbank Rheinland-Pfalz rechnet zwar im Vergleich zum ersten mit einem besseren zweiten Quartal des Wolfsburger Konzerns. „Angesichts der anhaltenden Konjunkturschwäche wird es aber schwierig, das Ziel für das Gesamtjahr zu erreichen.“ Im allgemeinen käme der Automobilmarkt im Massensegment nicht in Fahrt. Der Streit um Kostensenkungen bei Mercedes und die Androhung der Produktverlagerung würde nicht dazu beitragen die Kauflust wieder zu wecken.

Im Rahmen seines Sparprogramms ForMotion will VW die Kosten binnen zwei Jahren um zusätzliche zwei Mrd. € senken und 5000 Stellen streichen. Zur Vorantreibung des Programms müssten auch „zusätzliche unbequeme Wege“ gegangen werden, hatte VW-Personalvorstand Peter Hartz in der vergangenen Woche angekündigt.

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