Refinanzierungsplan
Spekulationen um neue Airbus-Investoren

Im Aktionärskreis der EADS gibt es offenbar neue Überlegungen, wie die Finanzlöcher gestopft werden können, die die Verspätung des Großraumflugzeugs A380 in die Kassen reißt. Gleich mehrere Investoren signalisieren ihr Interesse an einer Beteiligung an der Tochter Airbus. Auch aus Deutschland hat sich ein neuer Interessant zu Wort gemeldet.

ali / pk PARIS. Am gestrigen Donnerstag dementierte der Konzern zwar einen Bericht der französischen Wirtschaftzeitung „Les Echos“, dem zufolge EADS erwägt, eine Beteiligung der Tochter Airbus an ausländische Investoren aus Dubai oder Qatar zu verkaufen. „Da ist nichts dran“, so ein EADS-Sprecher.

Offenbar handelt es sich aber bei diesen Beteiligungsüberlegungen um eine Art Versuchsballon des Lagardère Lagers. Denn im Umfeld des EADS-Großaktionärs Arnaud Lagardère wird darauf verwiesen, dass das Interesse von Airbus-Großkunden an einer Beteiligung an Airbus nicht neu sei. Angesichts der guten Kontakte von Arnaud Lagardère in die Golfstaaten-Region sei das Nachdenken über eine Beteiligung etwa von Dubai durchaus legitim. Die in Dubai ansässige Fluglinie Emirates ist der wichtigste Abnehmer für den Super-Airbus A380. Doch in keinem Fall gäbe es, wie „Les Echos“ schreibt, bereits fortgeschrittene Verhandlungen mit dem Dubai International Capital (DIC), heißt es in Paris. Eine Beteiligung Dritter an Airbus hätte indes den Nachteil, dass dadurch die Integration von Airbus in den EADS-Konzern erschwert würde.

Die Finanzprobleme sind bekannt: Die Verspätung der A380 wird den Gewinn vor Zinsen und Steuern in den kommenden vier Jahren um 4,8 Mrd. Euro vermindern. Ende des Monats will die EADS-Führung darüber entscheiden, ob der mittelgroße Langstreckenflieger A350 XWB gebaut werden soll. Die Entwicklung der Konkurrentin der Boeing 787 dürfte den Konzern rund neun Milliarden Euro kosten. Und mittelfristig steht auch die Neu-Entwicklung der Kurzstrecken-Flugzeuge-Familie A320 auf der Agenda.

Bislang will EADS diese finanzielle Herausforderungen vor allem mit dem Sparplan „Power8“ meistern: Dank einer Neuorganisation der Zulieferer-Verbindungen, Personalabbau und einer industriellen Neu-Organisation will der Konzern bis zum Jahr 2010 den Cash-Flow um fünf Milliarden erhöhen, ab 2010 soll dank des Plans das Ebit um jährlich zwei Milliarden Euro höher ausfallen. Doch die Details des Plans sind noch in Arbeit. Und Analysten verweisen darauf, dass der alte Sparplan „Route 06“ nicht die Erwartungen erfüllt hat.

Da möglicherweise „Power8“ auch nicht ausreichen könnte, hat das EADS-Management bereits Überlegungen über die Begebung einer so genannten Hybrid-Anleihe angestellt. Der einfachste Weg einer Refinanzierung, eine Kapitalerhöhung von EADS, ist indes ausgeschlossen: Denn weder Lagardère noch Daimler-Chrysler betrachten die Luftfahrt noch als ihr Kerngeschäft. Daher sind sie nicht bereit, neues Geld in EADS zu investieren.

Daimler will bekanntlich statt dessen seine Beteiligung um 7,5 Punkte auf 15 Prozent abbauen. Die Bundesregierung bemüht sich gerade, ein Banken-Konsortium zu schmieden, damit die Anteile in deutscher Hand bleiben.

Die Düsseldorfer WestLB hat dazu am Donnerstag erstmals öffentlich ihre Bereitschaft signalisiert, mit einzusteigen: Auf die Frage, ob ein Einstieg der Landesbank bei EADS möglich sei, sagte WestLB-Chef Thomas Fischer in Frankfurt: „Absolut“ Allerdings müsse sich ein solches Engagement auch betriebswirtschaftlich rechnen. Auch die Deutsche Bank und die Commerzbank hatten sich zuvor für einen Einstieg bei EADS ausgesprochen.

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