Reform des Vertriebssystems
Nissan-Händler wehren sich gegen Kündigung

Der Renault-Partner Nissan plant als Reaktion auf deutlich verfehlte Absatzziele in Deutschland massive Einschnitte in seiner Händlerstruktur. Dazu kündigte das Unternehmen alle Händlerverträge zum 31. Januar 2007

HB FRANKFURT. „Der Verkaufserfolg war zuletzt nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben“, begründete ein Unternehmenssprecher den Schritt. Die Händler wollen nun nach Aussagen ihres Präsidenten Hermann-Josef Poth die Rechtmäßigkeit der Kündigungen prüfen und sich gegebenenfalls wehren. Während die Nissan-Unternehmensspitze erwartet hatte, dass das Deutschland-Geschäft auch 2005 seinen Teil zu den ehrgeizigen Expansionszielen von Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn beiträgt, hat die Marke 2005 hier zu Lande nur 53 000 Autos verkauft, fast 13 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch europaweit war Nissan alles andere als erfolgreich. Der Absatz sank 2005 um 6,5 Prozent, im Dezember betrug der Einbruch nach Angaben des Verbandes der europäischen Autohersteller ACEA sogar 43,7 Prozent. Nissan begründet dies unter anderem mit dem Verzicht auf Maßnahmen wie Tageszulassungen, die von Herstellern am Jahresende gerne genutzt werden, um die Statistik zu schönen. Allein in Deutschland habe man die Zahl der Tageszulassungen um 80 Prozent reduziert, sagte der Sprecher.

Nissan will die Zahl der deutschen Vertriebsstandorte nun von 610 auf 530 senken. Ziel der neuen Händlerstruktur ist es, mit weniger Vertragspartnern eine höhere Effizienz zu erreichen. Mit im Schnitt 85 Fahrzeugverkäufen je Händler im Jahr ist es schwierig, genug Geld zu generieren, um – wie von Nissan erwartet – in eine bessere Präsentation der Marke zu investieren. „In Zeiten schwacher Renditen und Pleiten sind Investitionen nicht gerade das Lieblingsthema“, kommentiert Händler-Präsident Poth. Zuletzt hat ein Teil der Nissan-Händler in Deutschland Verluste gemacht oder musste mit Umsatzmargen um die ein Prozent leben. „Traurig ist natürlich, dass dabei Existenzen auf dem Spiel stehen, aber ein Markt, der so stark in Bewegung ist, bietet auch Chancen“, gibt sich der Händler-Vertreter optimistisch.

Nissan verabschiedet sich mit der Reform vom zweistufigen Händlersystem mit Haupt- und Nebenhändlern. Künftig will sich die Firma den Durchgriff auf alle Händler mit einem einstufigen System sichern. Vielen gekündigten Händlern sollen neue Verträge angeboten werden, parallel dazu 80 Lücken im Händlernetz in Ballungsgebieten, geschlossen werden, sagte der Sprecher. Als Partner bevorzugt Nissan größere Händler, um „einen professionelleren Markenauftritt“ zu garantieren. „Unsere Kunden sollen die Nissan-Modelle in schönerem Ambiente kennen lernen“, begründete Nissan-Markenvorstand Rainer Landwehr die Stoßrichtung. Mit der Händlergruppe AVAG-Gruppe wurde bereits für Dresden ein Vertrag abgeschlossen, in München sei Nissan mit der niederländischen Kroymanns-Gruppe weitgehend einig.

Weltweit war der Absatz von Nissan zuletzt um 15 Prozent gewachsen und Vorstandschef Ghosn hatte noch im September 2005 eine stramme Marschroute für Europa vorgegeben: 700 000 Autos will er bis 2008 auf dem Kontinent absetzen, über ein Drittel mehr als zuletzt.

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