Regeln sorgen für Transparenz und Vergleichbarkeit
Wer schlecht informiert, verspielt seinen Kredit

Ob Manager mit der zunehmenden Komplexität der Welt gut umgehen, zeigt die Ernsthaftigkeit und Art, wie sie darüber berichten. PR-gerecht aufbereitete Umweltberichte mit Informationen über Emissionsminderungen in deutschen Werken durch nachsorgenden Umweltschutz wie den Filtereinbau sind überholt. Gefordert sind Nachhaltigkeitsberichte, die konzernweit sowie international vergleichbar Strategien und Kenndaten sowohl zu Umwelt- als auch zu Sozialleistungen und zur Geschäftslage öffentlich machen.

BERLIN. Sie sollen beispielsweise zeigen, ob und wie durch innovatives Pro-duktdesign Rohstoffe geschont, Emissionen vermieden und alte Pro-dukte sinnvoll genutzt werden und ob Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern gefördert, Kinderar-beit verhindert und Zulieferer bei allen Themen eingebunden werden.

Für das Jahr 2003 gab es weltweit rund 2000 Nachhaltigkeitsberichte. Doch sie bieten noch nicht, was der Name verspricht. "Es mutet fast schizophren an: Sie liefern eine Un-menge an Informationen, aber über-wiegend nicht überzeugend, weil sie das Kerngeschäft nicht einbeziehen, nicht leistungsbezogen sind oder nicht systematisch genug Wichtiges von Unwichtigem trennen," kritisiert Peter Zollinger, Direktor des unabhängigen Thinktanks SustainAbility in Zürich. Zudem fehlten meist verbindliche Ziele und Zeitvorgaben, an denen sich Firmen selbst messen und messen lassen. "Ein derartiges Reporting im Finanzbereich würde nicht akzeptiert."

Darüber hinaus lassen die meisten Unternehmen ihre Aktionäre, Investoren, Kreditgeber und Versicherer im Unklaren über geschäftliche Risiken und Chancen, die sich aus Umwelt- und sozialen Aspekten ergeben. Das bemängeln SustainAbility, das Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP und die Ratingagentur Standard & Poor's (S & P). Nur drei von mehreren Hundert Berichten ermittelten potentielle Auswirkungen auf die Bilanz. Diesen Herausforde-rungen müssten sich Manager stellen und Know-how dafür erwerben.

Hilfreich sind die Leitlinien der Global Reporting Initiative (GRI), einer Kooperation von Unternehmen, Analysten, Wirtschaftsprüfern, Ge-werkschaften, Wissenschaftlern und Nichtregierungsorganisationen. Die GRI-Leitlinien für Nachhaltigkeitsberichte, die auch auf Branchen und den Mittelstand zugeschnitten werden, etablieren sich als internationaler Standard, 93 der weltweit 100 besten Berichte basieren darauf.

Ebenso die zehn deutschen Top-Berichte eines Rankings des Berliner Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), wie Ralph Thurm, stellvertretender Geschäftsführer von GRI, sagt. Als weltweit erste Unternehmen ihrer Branchen legten Versandhaus Otto und der Springer-Verlag Nachhaltigkeitsberichte vor, die sämtliche Kernkriterien und viele Zusatzkriterien erfüllen und zudem von einem Wirtschaftsprüfer testiert sind. Analysten sehen darin einen wichtigen Schritt Richtung Transparenz und Glaubwürdigkeit.

Seite 1:

Wer schlecht informiert, verspielt seinen Kredit

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%