Regenerative Energien
Österreich speichert deutschen Strom

Die Bundesrepublik investiert massiv in den Ausbau regenerativer Energien, hat aber kaum Speichermöglichkeiten für Solar- und Windenergie. Nun sollen die Nachbarn aus Österreich den deutschen Strom konservieren.
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WIEN. Österreich soll in den nächsten Jahren zum Speicherplatz für deutschen Solar- und Windstrom werden. "Unser Land wird eine Spitzenposition bei Speicherkraftwerken erreichen", sagte Wolfgang Anzengruber, Vorstandschef von Österreichs größtem Stromproduzenten Verbund, am Dienstag auf der Handelsblatt-Jahrestagung Energie in Wien.

Deutschland will in den kommenden Jahren massiv in den Ausbau regenerativer Energie investieren. Nach der Förderung des Windstroms stehen jetzt vor allem Investitionen in die Solarenergie an. Beide alternativen Formen der Stromerzeugung haben jedoch einen Schönheitsfehler: Wind und Sonne richten sich nicht nach den Energiespitzen der Verbraucher, sondern treiben ausgerechnet dann Windmühlen und Solarzellen an, wenn niemand den Strom braucht. Oder umgekehrt: Bei den Verbrauchsspitzen am Abend scheint keine Sonne mehr, die Strom produzieren könnte.

Abhilfe bietet die Speicherung von Energie, allen voran durch die Wasserkraft. In sogenannten Pumpspeicherkraftwerken wird Wasser gespeichert, die Pumpen bekommen ihren Strom aus Wind- oder Solarquellen. Stehen Verbrauchsspitzen an, wird das Wasser wieder abgelassen - über Turbinen, die dann den Strom neu produzieren. Deutschland hat allerdings nur begrenzte Möglichkeiten, solche Speicherkraftwerke selbst zu errichten.

Österreich ist hingegen innerhalb Europas schon heute das Musterland für die Stromproduktion aus Wasserkraft. Etwa zwei Drittel des dort produzierten Stroms kommt aus Wasserkraftwerken, die Berge bieten sich einfach dafür an. Wasser hat dort darüberhinaus eine besondere Tradition, weil Kernkraftwerke nach einer Volksabstimmung in den 70er-Jahren per Verfassung verboten sind. Österreich ist heute auch schon Vorreiter bei den Pumpspeicherwerken: Die Alpenrepublik produziert zwar nur 2,5 Prozent des Stroms in der EU, kommt in der Union bei der Pumpspeicherleistung allerdings auf einen viel höheren Anteil von 17,5 Prozent. Der Verbund-Konzern wiederum als größtes Strom-Unternehmen in Österreich produziert seine Energie fast ausschließlich durch Wasserkraft.

Verbund-Vorstandschef Anzengruber unterstützt deshalb die deutschen Bestrebungen zum Ausbau der regenerativen Energieformen. Damit jedoch deutscher Windstrom von der Nordsee zu einem österreichischen Pumpspeicherwerk in den Alpen gelangen kann, muss zunächst auch das Leitungsnetz ausgebaut werden. Anzengruber hält deshalb den deutschen Vorstoß für nachahmens-wert, dass der Transport von Strom hin zu einem Speicherkraftwerk künftig gebührenfrei wird. Zudem müssten auch die Genehmigungsverfahren für neue Hochspannungsleitungen verkürzt werden, damit der Strom schneller von der deutschen Küste in die österreichischen Berge gelangen kann.

Anzengruber hält den Ausbau der Wasserkraft auf jeden Fall für eine vernünftige Lösung. Pro Jahr werden in den österreichischen Wasserkraftwerken bereits 37,3 Terawattstunden produziert. "Eine weitere Steigerung um knapp ein Fünftel ist ohne größere Eingriffe in die Umwelt möglich", betonte der Verbund-Chef. (Eine Terawattstunde entspricht einer Milliarde Kilowattstunden.) Unterstützung für die Pläne des Verbund-Konzerns kommt auch aus der Wiener Politik. Umweltminister Nikolaus Berlakovich sprach sich auf der Handelsblatt-Tagung ebenfalls für den Bau der Wasserkraft aus. Schon vergleichsweise kurzfristig könnten in den nächsten fünf Jahren einige neue Wasserkraftwerke in Österreich entstehen.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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