Regierung in Den Haag will Wettbewerb ankurbeln – Kein Vorbild für Deutschland
Staat kauft niederländisches Gasnetz

Der niederländische Staat übernimmt für 2,78 Mrd. Euro die Anteile der Ölkonzerne Shell Transport & Trading und Exxon an der niederländischen Gasgesellschaft Gasunie. Nach mehrjährigen Verhandlungen mit den Ölmultis ist damit die Neuordnung der Eigentümerstruktur unter Dach und Fach.

DÜSSELDORF. Die Regierung in Den Haag verspricht sich davon mehr Wettbewerb auf dem holländischen Gasmarkt. Durch den vollständigen Kauf des Gasnetzes der Gasunie, an dem Shell und Exxon bisher die Hälfte halten, will der Staat es allen Anbietern auf dem Gasmarkt ermöglichen, weite Teile des Ferngasnetzes zu gleichen Preisen zu nutzen. Gasunie hat eine dominierende Marktstellung in den Niederlanden.

Nach dem Fahrplan der EU-Kommission in Brüssel sollen sich die europäischen Strom- und Gasmärkte bis zum Jahr 2007 vollständig öffnen. Auf dem Gasmarkt verfährt Den Haag nun ähnlich wie auf dem Strommarkt. Betreiber des niederländischen Hochspannungsnetzes ist das Unternehmen Tennet, das seit 2001 komplett in Staatsbesitz ist. Der liberale niederländische Wirtschaftsminister Laurens Jan Brinkhorst verfolgt bei der Öffnung des niederländischen Energiemarktes die Maxime, dass die Strom- und Gasnetze sowie die Aktivitäten Erzeugung und Vertrieb nicht unter dem Dach einer gemeinsamen Gesellschaft betrieben werden dürfen.

In Deutschland müssen Netze und Vertrieb lediglich rechtlich voneinander getrennt sein. „Wegen der Vielzahl der Unternehmen hier zu Lande und deren komplizierter Eigentümerstruktur ist das niederländische Modell nicht auf Deutschland übertragbar“, sagt Reinhard Goethe, Geschäftsführer des Aachener Stromhändlers Trianel. Außerdem sieht der neue Entwurf für das Energiewirtschaftsgesetz, soweit er bereits bekannt ist, „keinen Eingriff in die Eigentümerstrukturen der Gasgesellschaften vor“, ergänzt Matthias Heck, Analyst von Sal. Oppenheim in Frankfurt. Auf dem deutschen Gasmarkt betätigen sich neben den Branchenriesen Eon Ruhrgas, Wingas, RWE und BEB insgesamt mehr als 700 Unternehmen. Die meisten davon sind lokale Anbieter wie Stadtwerke.

Mit dem Entwurf des neuen Energiewirtschaftsgesetzes, das das Bundeswirtschaftsministerium vor zwei Wochen vorgelegt hat, soll jetzt auch in Deutschland der Wettbewerb auf dem Gasmarkt grundsätzlich neu geregelt werden. Auch die Bundesregierung in Berlin will Gashändlern die Nutzung der Gasnetze der etablierten Konzerne erleichtern. Denn seit der Liberalisierung des Energiemarktes 1998 klagen die neuen Anbieter, der Gastransport sei zu kompliziert und – vor allem – zu teuer. Berlin orientiert sich in seinem Gesetzesentwurf weitgehend an einem so genannten Entry-Exit-Modell, wie es die Gasgesellschaft BEB in Hannover seit dem Sommer betreibt.

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