Regierung treibt Zusammenschluss voran
Planspiele für Allianz von Enel und Eni

Die italienische Regierung lotet offenbar die Chancen für eine Allianz der beiden Energiekonzerne Eni und Enel aus. Die für gewöhnlich gut informierte Finanzzeitung „Il Sole 24 Ore“ hat am gestrigen Dienstag über einen geplanten Tausch von Vermögenswerten berichtet. In den vergangenen Wochen kursierten bereits wiederholt Spekulationen über einen Zusammenschluss des Ölkonzerns mit dem Energieversorger. Offiziell dementiert die Regierung die Pläne zwar. Analysten halten ein solches Szenario aber durchaus für realistisch.

juf / kk MAILAND / DÜSSELDORF. Nach dem Zeitungsbericht prüft die Regierung, ob der Ölkonzern Eni sein Randgeschäft im Gasvertrieb und der Stromproduktion in Enel, den größten Energieversorger des Landes, einbringen kann. Insbesondere würde Eni seine Kraftwerke in Italien abgeben. Der Ölkonzern verfügt derzeit über sieben lukrative Standorte. Im Gegenzug würde sich Eni mit 25 bis 30 Prozent an Enel beteiligen. Der Staat hält an beiden Konzernen substanzielle Beteiligungen.

Hintergrund der Überlegungen dürfte die laufende Fusionswelle auf dem europäischen Energiemarkt sein. Der deutsche Branchenriese Eon kämpft mit dem spanischen Gas-Natural-Konzern um die Übernahme von Spaniens größtem Versorger, Endesa, und in Frankreich will die Regierung Gaz de France (GDF) mit Suez fusionieren.

Nach Ansicht von Branchenexperten dürfte dies erst der Auftakt eines Konzentrationsprozesses sein, an dessen Ende es in wenigen Jahren in Europa nur noch eine Hand voll marktbeherrschender Energiekonzern geben wird. Dem Zeitungsbericht zufolge will die Regierung Enel durch den Zusammenschluss vor einer Attacke schützen. So könnten Hedge Fonds an einem Kauf interessiert sein. Enel könnte aber auch in den Fokus des finanzstarken Eon-Konzerns geraten, wenn dieser bei Endesa nicht zum Zuge kommen sollte.

Zum anderen würde Enel bei den eigenen Expansionsplänen schlagkräftiger. Konzernchef Fulvio Conti hat offen Interesse an Suez bekundet, sollten die Pläne Frankreichs für eine Fusion von Suez mit GDF scheitern.

Die Planspiele dürften sich noch in einer sehr frühen Phase befinden. Sowohl Enel-Chef Conti als auch sein Amtskollege bei Eni, Paolo Scaroni, der bis zum letzten Jahr an der Enel-Spitze stand, haben erst vor kurzem erklärt, sie seien an einem solchen Zusammenschluss nicht interessiert. Ein Sprecher des Finanzministeriums wies am Dienstag den Bericht von „Il Sole 24 Ore“ zurück.

Analysten halten das Szenario aber durchaus für plausibel. Die Investmentbank ING sieht in der Möglichkeit ein „realistisches Szenario“. Die Regierung in Rom könnte jeden feindlichen Griff nach Enel behindern, sollte Eni Hauptaktionär werden. Andere Finanzexperten in Mailand sehen in einer Allianz auch eine wirtschaftliche Logik, weil Enel als europäisches Schwergewicht gestärkt würde. Die skizzierte Variante klingt in der Tat plausibler als eine Vollfusion, die zuletzt ebenfalls diskutiert wurdet. Beide Unternehmen würden sich schließlich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren. Enel, Italiens größter Stromproduzent, würde in Produktion und Vertrieb von Energie gestärkt. Eni wiederum könnte sich auf das Kerngeschäft – Exploration und Produktion von Öl und Gas – konzentrieren.

Allerdings stehen einer Allianz auch Bedenken entgegen. So könnte eine Übernahme der Stromaktivitäten von Eni durch Marktführer Enel am Widerstand der Kartellbehörden scheitern, merkt die Börsenmaklerfirma Centrosim an. Zudem dürfte ein solcher von der Regierung voran getriebene Zusammenschluss auf heftige Kritik in Brüssel stoßen. Die EU-Kommission beobachtet Versuche der Mitgliedsstaaten, ihre Versorger gegen die Übernahme von ausländischen Wettbewerbern zu schützen, kritisch. Spanien etwa, das Eons Einstieg bei Endesa verhindern will, droht ein Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof. Enel selbst hatte sich bei der EU über die Schützenhilfe Frankreichs für die Fusion von GDF und Suez beklagt.

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