Regierung will Unternehmenspleite verhindern
Yukos verhandelt über Steuerstundung

Der angeschlagene Ölkonzern Yukos und das russische Steuerministerium suchen seit Montag nach einem Kompromiss in der Frage von Milliarden-Steuernachforderungen, die das Unternehmen in den Bankrott zwingen könnten.

mbr MOSKAU. Finanzminster Alexej Kudrin bestätigte entsprechende Verhandlungen und bekräftigte die von Präsident Wladimir Putin vorgegebene Linie, die Regierung habe kein Interesse, große Unternehmen in die Insolvenz zu treiben – „auch Yukos nicht“.

Deshalb nahm ein Moskauer Gericht gestern eine Anhörung darüber wieder auf, ob die Steuernachforderungen von umgerechnet 2,84 Mrd. Euro aus dem Jahr 2000 rechtmäßig sei und Yukos diese sofort begleichen müsse. Bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe war das Gericht jedoch zu keinem Ergebnis gekommen. Derweil machte Kudrin klar: „Yukos hat genug Eigentum, um seinen Verpflichtungen nachzukommen. Dafür kann es Aktiva auf dem Markt verkaufen.“ Das Yukos- Management hatte sogar einen Verkauf an staatliche Unternehmen oder Banken angeboten.

Allerdings wird Yukos diesen Weg nur gehen, wenn das Gericht dem zweitgrößten russischen Ölkonzern einen Zahlungsaufschub gewährt. Andernfalls müsste Yukos binnen fünf Tagen nach dem Urteil die volle Summe begleichen. Käme der Konzern dieser Forderung nicht nach, würden zehn Tage später ein Zahlungsbefehl ausgestellt, die Insolvenz des Unternehmens festgestellt und das Vermögen eingefroren und nach drei Monaten verkauft.

Da Yukos laut Finanzvorstand Bruce Misamore nur über knapp 1,5 Mrd. Dollar verfügt, verhandelt der Konzern über eine Stundung. „Obwohl die Banken nervös sind wegen der Zahlungsfähigkeit des Konzerns, ist Yukos in der Lage, seine Verbindlichkeiten zu bedienen“, sagte Misamore. Der Konzern hoffe jetzt auf einen Dialog mit der Regierung.

Ein Kompromiss dürfte vor allem zu Stande kommen, weil beide Seiten sich in ein Patt gespielt haben: Zwar könnte die Regierung Yukos bei sofortiger Vollstreckung leicht in den Bankrott treiben. Doch haben die Mehrheitseigner der Menatep- Gruppe um den früheren Yukos- Chef Michail Chodorkowskij mittels Finanzgarantien und Krediten geschickt dafür gesorgt, dass auch im Falle einer Insolvenz die alten Yukos-Herren die neuen Eigner der Yukos-Einzelteile bleiben würden.

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