Regierungsentscheidung über Auftrag
Ordert Griechenland den Eurofighter?

Die Athener Regierung will in Kürze über den Kauf von Kampfflugzeugen der vierten Generation für die griechische Luftwaffe entscheiden. Es geht um mindestens 30 Maschinen. Eurofighter hofft nun auf den Zuschlag für den Milliardenauftrag.

ATHEN. Bisher haben die Eurofighter-Verkäufer erst einen festen Exportauftrag hereinholen können: Österreich bestellte 18 Maschinen. Außerdem verhandelt der britische Konsortialpartner BAE Systems mit Saudi-Arabien über die Lieferung von rund 50 Maschinen. An der Eurofighter GmbH, die ihr Flugzeug im Export unter dem Namen Typhoon vertreibt, sind außer BAE Systems der Rüstungskonzern EADS und die italienische Alenia Aeronautica beteiligt.

In Griechenland glaubte sich das Konsortium schon vor fünf Jahren am Ziel: im Januar 2001 paraphierte die damalige sozialistische Athener Regierung einen Vertrag über die Beschaffung von 60 Flugzeugen und Optionen auf weitere 30 Maschinen. Aber nur drei Monate später legte die Regierung die Bestellung auf Eis. Grund: akute Haushaltsengpässe angesichts der bevorstehenden Olympischen Spiele. Zwar versicherte Athen damals, man werde an der Grundsatzentscheidung für den Eurofighter festhalten. Die im März 2004 an die Macht gekommenen Konservativen fühlten sich aber daran nicht gebunden und entschieden im vergangenen Sommer, bei Lockheed Martin 30 Kampfjets des Typs F-16 zu bestellen – mit Option auf weitere zehn Maschinen.

Nach Intervention auch aus Deutschland stornierte der griechische Verteidigungsminister die zehn ausstehenden F-16-Optionen - aus Kostengründen, wie es offiziell hieß. „Das ist ein positives Signal“, sagte Erwin Obermeier, Chef der Griechenland-Kampagne bei Eurofighter, dem Handelsblatt. Das europäische Kampfflugzeug sei nun in Griechenland wieder „stark im Rennen.“

Dass sich die Athener Regierung bei der anstehenden Bestellung erneut für ein US-Modell entscheidet, etwa den konkurrierenden Joint Strike Fighter, gilt mittlerweile als unwahrscheinlich. Das ließ auch Griechenlands neue Außenministerin Dora Bakojannis durchblicken: Man werde die Kampfflugzeugbeschaffung „im Lichte der gemeinsamen europäischen Verteidigungspolitik“ prüfen, erklärte Bakojannis. Eine Entscheidung soll bis Juni fallen, heißt es in Regierungskreisen.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
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