Regierungsgeld sichert Offshore Projekt
Eon will riesigen Windpark bauen

Nach monatelangen Prüfungen hat der Energiekonzern Eon nach Informationen des Handelsblatts entschieden, sich am Bau des weltgrößten Offshore-Windparks London Array vor der britischen Küste zu beteiligen. Auch der zweite Konsortialpartner, die dänische Dong, habe sich laut Eon-Kreisen bereits dazu bekannt. Lediglich der dritte Beteiligte, Masdar aus Abu Dhabi, müsse noch zustimmen.

DÜSSELDORF/LONDON. Anfang Mai solle die Investitionsentscheidung aber verkündet werden. Hintergrund sei die Zusage der britischen Regierung, das Projekt stärker zu fördern.

London Array ist sowohl für die Regierung als auch für die Konzerne ein Prestigeprojekt. Vor der britischen Küste, in der Themsemündung, sollen 270 Turbinen installiert werden, die mit einer Leistung von 1 000 Megawatt 750 000 Haushalte mit Strom versorgen können. Bis 2012 sollen bereits zwei Drittel der Anlagen stehen. Eon ist an dem Projekt mit 30 Prozent beteiligt, Dong mit 50 Prozent und Masdar mit 20 Prozent. Zum Investitionsvolumen machen die Unternehmen zwar keine Angaben. Branchenkreise schätzen aber, dass es rund 2,5 Mrd. Pfund (2,8 Mrd. Euro) beträgt. Die Vorplanungen laufen schon seit Jahren, zuletzt hatten aber Eon-Vertreter Zweifel geäußert, weil sich die Rahmenbedingungen verschlechtert hatten. Vor allem der rapide gesunkene Öl- und Gaspreis relativiert die Rentabilität von Windkraftprojekten. Gleichzeitig sind die Kosten für die Turbinen zwischenzeitlich deutlich gestiegen.

Die britische Regierung hat jetzt aber signalisiert, die Förderung von Offshore-Windparks zu erhöhen. Sie sollen mehr Grünstrom-Zertifikate (Renewable Obligation Certificates – ROCs) erhalten als bislang. Seit 2002 benötigen Stromproduzenten in Großbritannien diese ROCs, um nachzuweisen, dass sie eine ausreichende Menge ihres Stromes aus erneuerbaren Energien gewinnen. Zurzeit liegt diese Grenze bei knapp zehn Prozent. Bislang gibt es für die Produktion einer Megawattstunde Öko-Stroms einen ROC.

Um den Bau der kostspieligen Offshore-Windkraftanlagen zu fördern, hatte die Regierung bereits beschlossen, für den produzierten Strom 1,5 ROCs je Megawattstunde zuzuteilen. Mit dem Haushaltsplan für 2009/10 kündigte sie jetzt aber eine weitere Revision an. Sie will nun prüfen, ob sie für alle zwischen dem 23. April 2009 und dem 31. März 2010 vertraglich vereinbarten Offshore-Windfarmen sogar zwei ROCs je Megawattstunde ausgeben kann. Für das folgende Haushaltsjahr soll es dann 1,75 ROCs geben.

Die Offshore-Windkraft spielt in den Planungen der Regierung eine große Rolle. Sie ist deshalb sehr an Projekten wie London Array interessiert.

Die Chefs von Eon, Dong und Masdar begrüßten die Pläne am Donnerstag ausdrücklich. „Die stärkere Förderung wird die Entwicklung von Offshore-Wind entscheidend voranbringen“, sagte Eon-Chef Wulf Bernotat. „Sie verbessert insbesondere die Wirtschaftlichkeit unseres wegweisenden Projektes London Array.“ Eon sei jetzt sehr zuversichtlich für die Entwicklung des Projekts. Ähnlich äußerte sich der Vorstandsvorsitzende von Dong, Anders Eldrup. Und auch Masdar-Chef Sultan Al Jaber sprach von einem „sehr positiven Schritt“.

Eon investiert zur Zeit europaweit Milliarden in den Ausbau seiner alternativen Stromerzeugung.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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