Regulierung
Der feste Griff der Regulierer hat Tradition

In Amerika greift eine Regulierungswelle um sich. Auch jenseits von Finanzsektor und Autoindustrie werden staatliche Eingriffe erwartet. Dabei haben Intervention und umfassende Regulierung in Amerka eine lange Tradition. Wird der Staat zu Hilfe gerufen, pocht er auf Mitspracherecht.

NEW YORK. Amerika, das Land der unreguliert unbegrenzten Möglichkeiten - das war einmal. Oder besser: Es wird vermutlich auf absehbare Zeit der Vergangenheit angehören. Ein Grund, aber nicht der einzige, ist die aktuelle Finanzkrise. "Wir bekommen mehr Regulierung. Denn so funktioniert Politik. Erst passen sie nicht auf, bis es zu spät ist, und dann gibt es eine Überreaktion", beschreibt Andrew Busch, Analyst bei BMO Capital, seine Befürchtungen.

Parlamentarier wie der derzeit in den US-Medien omnipräsente republikanische Kongressabgeordnete Barney Frank trommeln für eine strenge, zentrale Finanzaufsicht. Der Vorsitzende des Finanzausschusses hat ein starkes Argument auf seiner Seite: Wenn in Schieflage geratene Finanzinstitutionen wie Bear Sterns, Freddie Mac oder Fannie Mae zum Wohle des eigentlich doch privatwirtschaftlich organisierten Kapitalmarkts mit Steuermilliarden aufgefangen werden sollen, dann soll der Staat auch mitreden dürfen.

Intervention und dann folgende umfassende Regulierung hat - entgegen dem schon fast romantischen Bild vom Land des freien Unternehmertums - eine lange Tradition in Amerika. Es gab zwar immer lange Phasen des Laisser-Faire. Aber sobald der Staat in einer Krise zu Hilfe gerufen wurde, weitete er danach seine Machtbefugnisse aus.

Das beste Beispiel ist die große Weltwirtschaftskrise Ende der 20er, Anfang der 30er Jahre. Franklin D. Roosevelt wurde 1932 gerade wegen seines Versprechens zum Präsidenten gewählt, er werde das Leben der Menschen mit dem so genannten "New Deal" und staatlichen Eingriffen neu ordnen. Zu diesem Zeitpunkt war ein Viertel der US-Bürger arbeitslos und ohne staatliche Unterstützung. Die Agrarpreise waren im freien Fall, und der bis dato kaum regulierten Finanzsektor war pünktlich zur Amtseinführung Roosevelts am 4. März 1933 paralysiert. Praktisch alle Banken waren geschlossen, unter anderem weil hochverschuldete Kunden ihre Kredite nicht mehr begleichen konnten und den Instituten die Liquidität ausging.

Passend zur heutigen Krise versuchte Roosevelt die Gemüter mit dem Satz zu beruhigen. "Alles was wir fürchten müssen, ist die Furcht selbst". Angewandt auf die durch das Misstrauen der Banken unter einander hervorgerufene Liquiditätskrise würde er heute vermutlich sagen. "Misstrauen müssen wir lediglich dem Misstrauen selbst."

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