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Regulierung: Neue Derivate-Regeln belasten Bilanzen

exklusiv Große deutsche Unternehmen schlagen Alarm: Die in den USA und Europa geplante Regulierung des Derivate-Marktes wird in ihren Augen zu einer Mehrbelastung und stärkeren Schwankungen der Ergebniszahlen führen. Und nicht nur das: Die Konzerne fürchten auch, dass ein wichtiges Instrument zur Risikoabsicherung an Kraft einbüßt.

Unter die Lupe genommen: Schwergewichte wie Siemens oder BASF sehen die neuen Regeln mit Skepsis. Quelle: IMAGO
Unter die Lupe genommen: Schwergewichte wie Siemens oder BASF sehen die neuen Regeln mit Skepsis. Quelle: IMAGO

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Der Industrie drohen auf Währungs- und Rohstoffseite erhebliche bilanzielle Belastungen. Hintergrund ist die in Europa und den USA geplante Regulierung des Derivate-Markts. Offen sei zudem, ob es für die Industrie künftig geeignete Instrumente zur Absicherung geben werde, heißt es von den Unternehmen. Dabei zeigt gerade der jüngste Ölpreis-Anstieg, wie wichtig Hedging für die Unternehmen auch künftig bleiben wird.

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Die EU will den Derivate-Markt – er wird von der Kommission zum Teil für die Finanzkrise verantwortlich gemacht – stärker standardisieren. Dazu sollen die Geschäfte über eine Clearingstelle laufen, wie das bei anderen Wertpapieren auch schon der Fall ist. Zwar sollen auch die auf die Industriebelange zugeschnittenen bilateralen Derivate erlaubt bleiben. Sie müssen aber mit Eigenkapital unterlegt werden, was die Liquidität der Konzerne belastet.

Zwar halten sich die meisten Konzerne bei dem heiklen Thema Derivate nach außen bedeckt. Dennoch ist das Thema für die meisten ein Politikum. Mit Linde, BASF, Siemens, Deutsche Post, Eon oder RWE haben etliche Schwergewichte der deutschen Industrie ihre Bedenken bereits per Brief der EU-Kommission mitgeteilt.

So wird befürchtet, dass die von den Konzernen stark genutzten OTC-Derivate knapp werden könnten. Diese Over-The-Counter-Produkte sind exakt auf das darunter liegende operative Geschäft des jeweiligen Unternehmens zugeschnitten und werden bilateral zwischen Bank und Unternehmen geschlossen. „Ich habe die Sorge, dass eine solche Regulierung einen Trend in Richtung standardisierte Produkte auslösen wird und damit der Markt für speziell auf die Industrie abgestimmte OTC-Produkte austrocknet, einfach weil er nicht mehr liquide genug ist“, sagt Roland Kern, Treasury-Chef der Lufthansa.

Gerade die OTC-Produkte haben die Behörden in USA und in Europa auf dem Radar, da dieser Markt sehr unübersichtlich ist. Sie wollen eine weitgehende Standardisierung bei den Derivate-Produkten erreichen, zu Lasten des OTC-Marktes. Damit könnte einigen Unternehmen auch bilanziell Ungemach drohen. Bislang müssen sie ihre Hedging-Instrumente nicht, wie sonst bei Wertpapieren, marktgerecht bewerten (Hedge-Accounting). Das gilt allerdings nur dann, wenn das Unternehmen nachweisen kann, dass operative Risiken und die Hedging-Maßnahme sich genau gegenläufig verhalten.

Bei weitgehend standardisierten Derivaten, die nicht exakt zum Geschäft passen, wird dieser Nachweis schwerer fallen. „Als Folge könnten Unternehmen gezwungen sein, ihre Hedging-Instrumente nach Marktwert zu bewerten, was die Schwankungen auf Ergebnisseite erhöhen würde“, sagt der Treasury-Chef eines großen Chemieunternehmens.

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