Regulierung
Wasserversorgung: Experten fordern Wettbewerb

Die Monopolkommission hat sich für eine schärfere Kontrolle der deutschen Wasserwirtschaft ausgesprochen. "Man muss einen Anreiz schaffen, um die Effizienz zu erhöhen", sagte der Leiter des Gremiums, Justus Haucap, dem Handelsblatt.

FRANKFURT. Dies könnte über eine Zusammenarbeit der Versorger erreicht werden. Denkbar sei eine solche Kooperation etwa bei der Verwaltung oder den Investitionen. Bislang arbeite jeder vor sich hin. "Mit der Kleinteiligkeit verlieren wir Effizienzvorteile", kritisierte Haucap. Die Wasserbranche ist bislang in 6 700 Spieler zerfasert, die oftmals in kommunaler Hand sind.

Mit dem von Haucap favorisierten Anreizsystem würden effiziente Anbieter als Messlatte gelten, an denen sich die Branche orientieren müsste. Diese Anreizregulierung bewährt sich bereits auf dem Strom- und Gasmarkt, was sich an den vom Bundeskartellamt verhängten Preisabschlägen bei den Netzentgelten zeigt. Offen bleibt aber, wer die Aufsicht über die Wasserbranche übernehmen wird. Da die meisten Wasserbetriebe nur regional aktiv sind, unterliegen sie der Kontrolle der Landeskartellämter. Erst bei einer länderübergreifenden Kooperation oder Fusion ist das Bundeskartellamt zuständig.

Ein Wettbewerb wie auf dem Gas- und Strommarkt ist aus Sicht von Experten nicht möglich, da es zwar eine flächendeckende Wasserversorgung gibt, die einzelnen Systeme der Anbieter aber nicht miteinander verflochten sind. "Ein Wettbewerb ist daher nicht einfach zu etablieren, was auch an den begrenzten Möglichkeiten der Wassereinspeisung liegt", sagte Haucap.

Hinzu kommt, dass für rund die Hälfte der Wasserversorger die Kommunen zuständig sind, da sie Gebühren und keine Preise erheben. Mark Oelmann vom Forschungsinstitut plädiert dafür, die Abrechnungsmodelle zu vereinheitlichen. "Die Transparenz der Preisgestaltung würde sich damit erhöhen."

Wie Oelmann bezeichnete Haucap die Kosten für den Wasserbezug im internationalen Vergleich als zu hoch. "Dem wird immer die Qualität entgegen gehalten. Dabei sollte man bedenken, dass tatsächlich nur ein Prozent als Trinkwasser genutzt wird", sagte er. Mit dem Rest werden etwa Gärten oder Wäsche gewaschen.

Der Chef der Monopolkommission sieht indes wenig Chancen für eine zügige einheitliche Regulierung des Wassermarkts. "Ich bin skeptisch, dass da viel passiert", sagt er. Im Vordergrund stehen derzeit vor allem die Energiemärkte. Die Kommission ist ein unabhängiges Beratergremium der Bundesregierung. mur

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