Reifenhersteller
Hankook fordert Conti im Premiumsektor heraus

Hankook macht einen weiteren Sprung hin zur Premium-Marke. Der Reifenhersteller rüstet künftig auch die S-Klasse von Mercedes aus. Continental nimmt die Kampfansage ernst – und setzt hält mit Expansion dagegen.
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HamburgFür den südkoreanischen Reifenhersteller Hankook hat die am Montag verkündete Erstausrüstung des Spitzenmodells S-Klasse von Mercedes-Benz strategische Bedeutung. Das festige den Status „als mittlerweile ernstzunehmender Premium-Hersteller“, sagte Hankooks Europachef Jin-Wook Choi dem Handelsblatt. Choi verbindet mit dem Prestigeauftrag weiteres Wachstum im Ersatzgeschäft. „Und wenn der Premium-Autobauer Vertrauen in unsere Marke hat, hat auch der Premium-Kunde, also der Autofahrer, Vertrauen in uns“, sagte er. Das festige die Position im Ersatzgeschäft. Der Reifenmanager will den Schwung der S-Klasse nutzen und „durch gezielte und passende Marketing-Maßnahmen verlängern“.

Für Hankook ist die S-Klasse von Mercedes-Benz ein weiterer Imagegewinn. Mit dem 5er BMW rüsten die Koreaner bereits das vierte Modell des bayerischen Luxusherstellers aus. „Wir sind dort mittlerweile bei jedem neuen Modell in der Erstausrüstung aktiv“, so Choi. Und das meist nicht nur in einer Größe, sondern auch bei den besonders attraktiven alternativen Bereifungen. „In dieser Kategorie, also den Premium-Hochleistungsprodukten, sind wir sicherlich in Deutschland einer der Top-Drei“, sagte er.

Seit 2007 produziert Hankook Reifen in Europa. In Ungarn fertigen derzeit mehr als 2000 Beschäftigte gut zwölf Millionen Reifen jährlich für Pkw, Geländewagen und leichte Nutzfahrzeuge. „Unsere aktuellen Kapazitäten in unserem Werk in der EU sind bereits ausgelastet“, so Choi. „Daher investieren wir weitere 313 Millionen Euro in die seit 2007 nun schon zweite Werkserweiterung, die 2015 abgeschlossen sein wird.“ Die Kapazitäten steigen dann auf 17 Millionen Reifen jährlich. Darüber hinaus führt Hankook Reifen aus Südkorea ein. „Deshalb schließen wir mittelfristig eine dritte Produktions-Erweiterung in Europa nicht aus“, kündigte Choi an.

Branchenprimus Continental nimmt die Kampfansage ernst. „Der Wettbewerb in der Erstausrüstung ist seit Jahren hart“, sagte Reifenvorstand Nikolai Setzer dem Handelsblatt. „Die Hersteller haben heute teilweise fünf bis sechs Reifenlieferanten pro Reifengröße. Wir müssen jeden Tag kämpfen und beliefern selbst auch koreanische und japanische Autobauer.“ Dabei geht es nicht nur um Verdrängungswettbewerb. „Denn der Weltmarkt für Autos wächst ja weiter“, so Setzer.

Continental will die Abhängigkeit von Europa verringern, investiert in weitere Kapazitäten in Asien, Amerika und Russland. Im Moment bauen die Niedersachsen die bestehenden Standorte wie Hefei in China aus und vollenden bis Anfang 2014 die neuen Werke in Kaluga (Russland) und Sumter (USA). „Weiße Felder auf unserer globalen Produktionslandkarte haben wir dann nicht mehr“, sagte Setzer, „aber bis 2025 werden wir angesichts der erwarteten Entwicklung des weltweiten Reifenmarktes sicher weitere Kapazitäten brauchen, insbesondere in China.“

Die Deutschen sind mit fast zehn Milliarden Euro Reifenumsatz global die Nummer vier, die Koreaner mit knapp fünf Milliarden Euro Nummer sieben. Conti verringert den Abstand zur Spitze, von unten kommt Hankook. „Uns geht es gar nicht um eine bestimmte Branchenposition“, sagte Setzer. „Das wäre ein schöner Nebeneffekt. Entscheidend für Continental ist und bleibt profitables Wachstum.“

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur

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  • Da wiehert der Renditegaul im Hintergrund !
    Ich kann mich erinnern, dass früher kurzer Bremsweg und Langlebigkeit bei Daimler entscheidend waren und daher im Zweifel ein Michelin oder Bridgestonereifen montiert wurde!
    Wer Premium sein möchte sollte es auch beim Reifen sein!
    ...aber wahrscheinlich sind die Premiumreifen nicht sicher (siehe Kältemittel bei der Klimaanlage).
    Es geht doch bei Mercedes nur noch ums Geld, und da gewinnt im Zweifel billig !!! (s. Autobild Dauertest, wo beim Brot und Butter 4 Zylinder Dieselmotor die Wasserpumpe nicht mal 100tkm hält !)

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