Reise- und Schifffahrtskonzern
Russischer Investor steigt bei Tui ein

Der russische Stahlmagnat Alexej Mordaschow ist beim Reise- und Schifffahrtskonzern Tui eingestiegen. Das stärkt die Position des umstrittenen Tui -Chefs Michael Frenzel.

ek/HB FRANKFURT. Mordaschow, der Hauptaktionär des russischen Stahlkonzerns Severstal, halte 3,02 Prozent der Tui -Aktien, teilte das Unternehmen am Montag in einer Pflichtveröffentlichung mit. Tui-Chef Michael Frenzel wird seit längerem von Aktionären wegen seiner Strategie kritisiert. Zuletzt hat der US-Investor Guy Wyser -Pratte Frenzels Ablösung und eine Aufspaltung des Konzerns gefordert.

Nach unbestätigten Zeitungsberichten planen Tui und Mordaschow ein Gemeinschaftsunternehmen für den russischen Markt. Der russische Milliardär als Partner könnte ein weiterer Investor sein, der den Kurs von Vorstandschef Michael Frenzel stützen würde. Über geschäftliche Verbindungen und Kooperationen im Reisegeschäft hat Frenzel schon mehrere Aktionäre aus Spanien, Marokko und Ägypten an Tui gebunden. Sie halten gut 20 Prozent der Anteile. Als neutral in der Auseinandersetzung um die Tui -Führung gilt der norwegische Reeder John Fredriksen, der gut fünf Prozent an dem Reise- und Schifffahrtskonzern hält.

Die zahlreichen Kritiker Frenzels haben bislang keine Mehrheit organisieren können. Denn Frenzel ist nicht nur der nach außen stets cool wirkende Banker-Typ, er ist auch ein gewiefter Taktiker mit politischen Erfahrungen zurück bis in seine Juso-Zeit in Duisburg. So hat er nach dem Ausscheiden der WestLB eine neue Hausmacht geschaffen mit Anteilseignern, die – wie die spanische Hoteliersfamilie Riu, der norwegischer Tankerkönig John Fredriksen oder jetzt der russische Milliardär Alexej Mordaschow – ein massives Interesse haben, dass die Tui so existiert, wie sie existiert.

Nicht unterschätzen sollte man, dass Frenzel auch einen starken Rückhalt auf der Arbeitnehmerseite hat, gilt er doch als Garant gegen eine von vielen Kritikern gewollte Zerschlagung des Konzerns.

Frenzels Vertrag war erst vor wenigen Tagen bis 2012 verlängert worden, obwohl die Tui weit von den Kursen entfernt ist, die das von ihm inzwischen liquidierte Montan-Konglomerat Preussag einst erzielte. Und die Vision, dass im Tourismusgeschäft mühelos und andauernd Spitzenrenditen zu erwirtschaften sind, gehört wohl in den Papierkorb.

Der Name Frenzel steht vielen für eine gescheiterte Strategie, auch für zaghaftes, oft zu spätes und nicht eben erfolgreiches Reagieren auf veränderte Marktsituationen. Die überteuerte Übernahme der Reederei CP Ships, die fehl geschlagene Airline-Strategie mit Tuifly gehört dazu, auch der am Kartellamt gescheiterte Einstieg, mit Marktführer Carnival einen Happen vom Massen-Kreuzfahrtgeschäft abzubekommen, sind Beispiele dafür. Die jährlichen Vorhaltungen, die sich der Tui -Chef von Aktionärssprechern auf der Hauptversammlung anhören muss, sprechen Bände.

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