Reisekonzern übernimmt Mehrheit an der Reederei CP Ships
Tui baut Hapag-Lloyd zum Riesen auf

Der Strategieschwenk bei Europas größtem Reisekonzern Tui ist perfekt. Um mit der Containerschifffahrt ein krisenfestes zweites Standbein zu schaffen, hat Tui die Mehrheit an der britisch-kanadischen Reederei CP Ships übernommen.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. 89,1 Prozent der CP-Ships-Aktionäre hätten das Angebot bereits angenommen, teilte der Konzern aus Hannover gestern Abend mit. Damit könne die geplante Vollübernahme voraussichtlich bis Jahresende unter Dach und Fach gebracht werden, hieß es. Durch die Integration des Unternehmens in die konzerneigene Reederei Hapag-Lloyd will Tui zum weltweit fünftgrößten Anbieter im Containerschiffs-Transport aufsteigen.

Allerdings zahlt Konzernchef Michael Frenzel einen hohen Preis: Firmenangaben zufolge kostet die Übernahme 1,7 Mrd. Euro. Zusätzlich muss die Tui aber Gebühren sowie 261 Mill. Euro Schulden von CP Ships übernehmen. Dieter Schneiderbauer von der Unternehmensberatung Mercer Management wertet den Schritt der Tui als „tiefgreifenden strategischen Wandel“. Er sei aber konsequent, weil die Containerschifffahrt auf Jahre hinaus eine gute Wachstums-Story biete. In den Tourismusmärkten Europas seien indes mittel- bis langfristig keine überproportionalen Wachstumsraten mehr drin, sagte Schneiderbauer.

Noch im vergangenen Jahr wollte Tui die Schifffahrtssparte über die Börse verkaufen, um eigene Schulden zu tilgen. Im September 2004 wurde das Geschäft aber abgesagt, weil die Lage an den Kapitalmärkten zu schwach war. Insider hatten den Wert von Hapag-Lloyd auf mehr als zwei Mrd. Euro beziffert.

Der überraschende Zukauf von CP Ships fällt in eine Zeit, in der die von Krieg, Terror sowie frech expandierenden Billigfliegern gebeutelte Reisebranche am Ende eines guten Geschäftsjahrs 2004/2005 mit wachsender Skepsis nach vorn blickt. Vor allem die Kerosinzuschläge auf Flugreisen drohen die Reiselust – auch vor dem Hintergrund der anhaltenden Konsumflaute in Deutschland – bereits wieder zu bremsen. So lägen die Winterbuchungen derzeit branchenweit sechs bis acht Prozent unter Vorjahr, berichtet das Fachmagazin „FVW“ in seiner aktuellen Ausgabe.

Während Thomas-Cook-Chef Wolfgang Beeser für 2006 nur noch mit einem Marktwachstum von zwei Prozent rechnet, hofft Tui-Lenker Frenzel unverdrossen auf Steigerungsraten von vier bis fünf Prozent. Allerdings erzielt die Tui-Gruppe über ihre 80 verschiedenen Veranstaltermarken inzwischen zwei Drittel ihres touristischen Umsatzes außerhalb von Deutschland.

Mit dem Kauf von CP Ships verabschiedet sich die ehemalige Preussag aber endgültig von der Perspektive, ihr Heil allein in der Urlaubsbranche zu suchen. Damit werde der Druck aus dem Tourismussektor mit seiner schwankenden Geschäftsentwicklung genommen, erklärte der Tourismusprofessor und frühere Tui-Vorstand Karl Born.

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