Reisende im Bahn-Streik-Chaos
„Wären wir bloß zu Hause geblieben“

Die einen ärgern sich, die anderen sehen es gelassen, und manche hätten sich sogar gefreut, wenn ihr Zug ausgefallen wäre. Handelsblatt Online hat einige Reisende im Bahn-Streik begleitet. Ein Minutenprotokoll.
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DüsseldorfPrall gefüllte Busse, vollgestopfte Autobahnen, aber still stehende Züge: Die streikenden GDL-Lokführer haben viele Berufspendler am Donnerstag Vormittag vor eine Nervenprobe gestellt. Wie Passagiere das Streikchaos am Bahnhof erlebt haben. Ein Vorort-Bericht aus Düsseldorf, Köln und Umgebung.

06.53 Uhr: Auf der S-Bahn-Verbindung zwischen Solingen und Dortmund geht nichts. Die S1 liegt brach. Am Bahnsteig in Hilden sendet eine Frauenstimme eine Entschuldigungsbotschaft über Lautsprecher. Sie findet kaum Gehör. Viele Fahrgäste haben sich erst gar nicht die Mühe gemacht, zum S-Bahnhof zu fahren. Die Bahn fährt ja doch nicht.

07.04 Uhr: Hektische Telefonate im überfüllten Bus. Für viele Berufspendler der einzige Zubringer zur Arbeit an diesem Morgen. Eine Frau versucht einen Anrufer von Düsseldorf nach Neuss zu lotsen. „Bus, Tram, dann zwei Stationen zu Fuß und dann wieder den Bus nehmen.“ Am Ende resigniert sie: „Wie, der fährt auch nicht? Dann weiß ich’s auch nicht.“

07.33 Uhr: Der Busfahrer hört Verkehrsnachrichten. Die A1 und A4 sind verstopft. Noch mehr als sonst. Der Stillstand auf den Gleisen führt auch zu Stillstand auf der Straße.

07.56 Uhr: Der Düsseldorfer Hauptbahnhof ist so leer wie sonst nie um diese Uhrzeit. Die meisten Berufstätigen machen einen großen Bogen um alles, was mit Zügen und Bahnhöfen zu tun hat. Die Bedienung am Bäcker-Stand stöhnt: „Schlimm heute Morgen, es kommen überhaupt keine Gäste.“ Das Fahrplan-Tableau ist übersät mit Bannern „Zug fällt aus.“

08.14 Uhr: Lagecheck am Service-Schalter der Bahn. An den Infoständen bilden sich noch die längsten Schlangen. Die wenigen Passagiere, die gekommen sind, wollen wissen, wie und vor allem wann sie zur Arbeit gelangen. Wie ist die Stimmung? „Alles ruhig und besonnen“, teilt das Bahn-Personal mit. Kein Frust wegen der vielen ausgefallenen ICEs und S-Bahnen? „Die Leute haben Verständnis“, heißt es.

„Wären wir bloß Zuhause geblieben“

08.21 Uhr: So ganz stimmt das nicht. Ein Rentnerpaar starrt ungläubig auf die Anzeige an Gleis 16: „Zug fällt aus“. Der nächste auch, der übernächste ebenfalls. „Kerl, Richard, wär’n wa bloß zu Haus’ geblieben“, stammelt die Frau. Die Mundwinkel ihres Mannes zeigen nach unten.

08.28 Uhr: Am Bahnsteig gegenüber: Eine Frau frohlockt, ihr ICE nach Dortmund rollt ein. 5 Minuten Verspätung – verschmerzbar angesichts der Lage. Die Frau kommt aus Frankreich, will ihre Eltern besuchen. Zum Glück bleibt ihr eine Tortur erspart.

Kommentare zu " Reisende im Bahn-Streik-Chaos: „Wären wir bloß zu Hause geblieben“"

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  • Ich rufe alle Betroffenen auf, die GDL in den nächsten Tagen unter der Telefonnummer Tel.: +49 (0) 69 / 40 57 09 - 0 anzurufen und ihr eine e-mail ( info@gdl.de ) zu senden, um der Führung der GDL klar zu sagen, dass der Streik der falsche Weg ist.

  • 16:30 Uhr: Aus Sicht ihrer Konkurrenten trägt die Deutsche Bahn AG eine Mitschuld an der verfahrenen Lage. Bei Wettbewerbern seien parallele Tarifverträge eher die Regel denn die Ausnahme, sagt Engelbert Recker, Hauptgeschäftsführer des Nahverkehrs-Branchenverbands Mofair, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" am Donnerstag. "Das ist nur eine Frage der betrieblichen Organisation."

    Nur die DB und die feudale Bundesregierung behaupten es müsse die Tarifeinheit geben, zur Not per Gesetz gegen das Grundgesetz.
    Die Leute müssen endlich mal begreifen wer hier falsch spielt und auf wessen Kosten. Regierungspolitiker wollen mithilfe der staatseigenen DB Bürgerrechte beschneiden bzw. abschaffen, vertraglich geregelt per aufoktroyierten Tarifvertrag und später per einfachem Gesetz. Die DGB Gewerkschaften stehen dafür schon bereit, wenn sie im Gegenzug de facto zur alleinigen Macht für alle Arbeitnehmer werden und die Spartengewerkschaften bei ihnen zum Bittsteller würden.

    Für die GDL darf es darauf nur eine Antwort geben, legt das Land lahm bis es der Wirtschaft zu viel wird und sie den Berlinern Vollpfostpolitikern die Ärsche aufreißen!!!

    Es geht also sehr wohl, die EVG macht einen Tarifvertrag für ihre Mitglieder und die GDL einen für ihre. Zwei verschiedene Haus-Tarifverträge sind nach neuester Rechtsprechung völlig in Ordnung.

    “Am 27. Januar 2010 veröffentlichte das Bundesarbeitsgericht eine Pressemitteilung, welche die Absicht des 4. Senates erklärte, im Falle der Tarifpluralität nicht mehr an der bisherigen Rechtsprechung festhalten zu wollen. Am 23. Juni 2010 schloss sich auch der 10. Senat des Bundesarbeitsgerichtes in zwei Beschlüssen dieser geänderten Rechtsauffassung an und kippte damit schließlich den Grundsatz für den Fall der Tarifpluralität. Es gebe keinen übergeordneten Grundsatz, dass für verschiedene Arbeitsverhältnisse derselben Art in einem Betrieb nur einheitliche Tarifregelungen zur Anwendung kommen könnten.“

    http://de.wikipedia.org/wiki/Tarifeinheit

  • Hoffentlich erinnern sich die Streikkritisierer daran, wenn Sie selber streiken. Im öff. Dienst haben sich die Politiker schon die Frechheit erlaubt: Urlaubsgeld weg, Weihnachtsgeld weg. Alles nur um sich das Geld persönlich in die eigene Tasche zu stecken. Diese "Personen" erhöhen sich fast "wöchentlich ihre Einkommen. Welch Schande für deutsche Politiker!

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