Rekordaufträge in 2005
Bahnindustrie macht immer mehr Geschäft im Ausland

Die deutsche Bahnindustrie hat nach mehrjährigem Verharren auf der Talsohle bis Ende 2005 ein Rekord-Auftragspolster von zehn Mrd. Euro angelegt.

DÜSSELDORF. Dabei kommen fast 60 Prozent der Bestellungen für Schienenfahrzeuge und technische Streckenausrüstungen aus dem Ausland, berichtete der Verband der Bahnindustrie in Deutschland (VDB) gestern in seiner Jahresbilanz. Allerdings bedrohe die anhaltend schwache Inlandsnachfrage über kurz oder lang Arbeitsplätze in den deutschen Werken.

Die hohe Exportquote spreche zwar für internationale Wettbewerbsfähigkeit der Industrie, sagte der Präsident des Verbandes, Friedrich Smaxwil. Doch die Frage sei, „wie lange wir die Mitarbeiter auf dem Inlandsmarkt noch halten können, wenn sich der Trend in Richtung Exportgeschäft so fortsetzt.“ Ohne steigende Inlandsnachfrage könne die Industrie gar nicht anders, als Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern, meinte der Siemens-Manager.

Verbandsgeschäftsführer Michael Clausecker warf der Politik vor, zu wenig in die Schieneninfrastruktur zu investieren. Der harte Sparkurs der Bundesregierung werde dazu führen, dass etwa die Fertigstellung der Bahn-Verkehrsprojekte „Deutsche Einheit“ auch 16 Jahre nach der Wiedervereinigung noch Jahrzehnte auf sich warten ließe. Zudem würden beabsichtigte Mittelkürzungen im Nahverkehr zu einer kräftigen Reduzierung des Verkehrsangebotes bei Regional- und S-Bahnen führen. Damit würde die verkehrspolitisch gewollte „Erfolgsstory“ beendet, die den öffentlichen Verkehrsmitteln in den letzten Jahren 35 Prozent mehr Umsteiger vom Auto als Fahrgäste beschert habe.

Branchenberaterin Maria Leenen glaubt nicht mehr an ein Umsteuern der Politik. „Der Investitionszyklus in Deutschland, von dem gerade der Schienennahverkehr in den letzten Jahren enorm profitiert hat, geht wohl erst einmal zu Ende“, sagte die Geschäftsführerin der Unternehmensberatung SCI Verkehr. So sei es nur folgerichtig, dass sich die Industrie auf den Export konzentriere. Allerdings habe die Branche zuletzt noch von der beginnenden Erholung des Binnenmarktes profitiert: Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft wurden Infrastrukturprojekte beschleunigt und insbesondere in den Nahverkehr investiert.

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