
LONDON. Der Mann steht vor einem Luxusproblem. Er hat zu viel Geld und zu wenig Möglichkeiten, es auszugeben. "Wir werden nicht einfach des Zukaufs wegen etwas dazu kaufen", sagt Bart Becht, Chef des britischen Konsumgüterkonzerns Reckitt-Benckiser (Calgon, Clearasil, Kukident), dem Handelsblatt. "Entweder wir machen eine Übernahme, um strategische Lücken im Portfolio zu füllen, oder wir müssen darüber diskutieren, ob wir Geld an Aktionäre ausschütten."
Lücken sieht Becht derzeit in Asien. "Dort fehlt uns teilweise noch die kritische Masse." Und Unternehmen, die Pflegeprodukte herstellen, seien ebenfalls potenzielle Kaufobjekte, "wenn sie Wachstumsmöglichkeiten bieten."
Reckitt-Benckiser ist bereits das wachstumsstärkste und profitabelste Unternehmen in der Konsumgüterbranche mit einer operativen Gewinnmarge von knapp 25 Prozent. Das Unternehmen ist schuldenfrei und wird wohl bis Jahresende mehr als eine Mrd. Pfund Bargeld in der Kasse haben.
Auch ohne Zukäufe will Reckitt-Benckiser den Umsatz von zuletzt 7,8 Mrd. Pfund um fünf Prozent steigern. Etwa ein Drittel erlöst das Unternehmen mit Produkten, die jünger als drei Jahre sind. Beim operativen Gewinn, der 2009 bei 1,89 Mrd. Pfund lag, erwartet Becht ein Plus von zehn Prozent.
Ohnehin seien Zukäufe nachrangig, betont Becht. "Wir wollen in erster Linie aus eigener Kraft wachsen." Chancen sieht er vor allem in Schwellenländern und in Osteuropa.