Rekordstrafe für Fiat Chrysler
Marchionnes Goldesel macht Probleme

Die Pannenserie in den USA ist für Fiat Chrysler nicht nur finanziell ein Schlag ins Kontor. Dass ausgerechnet die verkaufsstarken US-Modelle betroffen sind, wirft die hochfliegenden Pläne des Konzernchefs weit zurück.
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New YorkFür den Autobauer Fiat Chrysler (FCA) kommt es derzeit in den USA knüppeldick: Die US-Aufsichtsbehörde für Verkehrssicherheit (NHTSA) bestraft den italienisch-amerikanischen Hersteller mit der Rekordstrafe von 105 Millionen Dollar. Der Autobauer hatte in 23 Fällen den Widerruf von technisch defekten Fahrzeugen nicht schnell genug durchgeführt.

FCA muss Kunden ein Angebot zum Rückkauf von mehr als 500.000 Fahrzeugen des beliebten Kleintransporters Ram und anderer Modelle mit Sicherheitsmängeln unterbreiten. Der kostspielige Deal ist Teil einer Einigung mit US-Aufsichtsbehörden, nachdem es Probleme bei rund zwei Dutzend Rückrufaktionen gegeben hatte. Fiat Chrysler habe Millionen von Kunden und den öffentlichen Straßenverkehr in Gefahr gebracht, sagte NHTSA-Chef Mark Rosekind.

„Die heutige Entscheidung zieht Fiat Chrysler zur Rechenschaft für Fehler der Vergangenheit“, kommentierte US-Verkehrsminister Anthony Foxx. Fiat Chrysler akzeptierte die Strafe und gelobte Besserung.

Die schlechten Nachrichten kommen ungelegen. Denn Chrysler ist für den Gesamtkonzern eigentlich ein Goldesel. Der boomende US-Automarkt und die steigende Beliebtheit von Geländewagen verhelfen dem US-Geschäft und der Marke Jeep beträchtlichen Auftrieb. Dagegen leidet Konzernmutter Fiat unter der Euro-Krise, und auf dem asiatischen Markt ist der Konzern kaum vertreten.

Die jetzt getroffene Einigung mit der US-Behörde ist der jüngste Beweis, dass die Sicherheitswächter immer entschiedener gegen Autokonzerne vorgehen, die Defekte entweder nicht angemessen veröffentlichen oder Rückrufaktionen nicht korrekt über die Bühne bringen.

Es handelt sich um den größten Wagenrückkauf, in den die NHTSA je involviert war. Die Aktion dürfte Fiat Chrysler Hunderte Millionen Dollar kosten. Insgesamt wird dem Autobauer Fehlverhalten bei 23 Rückrufaktionen vorgeworfen, die mehr als elf Millionen Fahrzeuge betrafen.

Neben dem Pickup-Modell Ram, dem Verkaufsschlager von Fiat Chrysler, sind auch Jeep-Modelle betroffen. Teile der Lenkung des Ram sind defekt, damit kann der Fahrer die Kontrolle über die Wagen verlieren. Weil einige Reparaturen nichts brachten, stimmte Fiat Chrysler einem Rückkauf zu, um die Wagen von den Straßen zu holen, wie aus veröffentlichten Dokumenten der zuständigen Verkehrssicherheitsbehörde hervorgeht. Die Kunden haben aber auch die Option, ihre Wagen reparieren zu lassen.

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  • So ein Gesetz müsste auch für D-Hersteller geben.
    BMW und co. verschleiern alles mit Hilfe D-Gesetze.
    - Preisabzocke hierzulande
    - Mangelhafte Garantieverpflichtung
    Vereinfacht gesagt: "Der D-Autobesitzer wird nach Strich und Faden verars...."
    BMW verkauft wissentlich Premiumfahrzeuge mit mangelhaften Triebwerken/Reifen u.a.
    der Kunde hat keine gesetzliche Möglichkeit die Autos zurückzugeben-bleibt auf dem Mangel sitzen.

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