Rekordverlust
Düstere Töne von Bang & Olufsen

Klarer Klang, progressives Design - lange galten Audioanlagen von Bang & Olufsen als der Rollyce Royce der Heimelektronik. Derzeit sind sie ein Ladenhüter. Der nordische Nobel-Elektronikhersteller verbucht in den ersten neun Monaten seines Geschäftsjahres einen Rekordverlust. Daran ist nicht nur die Krise schuld.

STOCKHOLM. Ein trauriger Rekord: Der dänische Hersteller von edlen Audio- und Videoanlagen, Bang & Olufsen, hat in den ersten neun Monaten seines Geschäftsjahres einen Verlust vor Steuern von 414 Mio. Kronen (55,6 Mio. Euro) verbucht und damit das schwächste Ergebnis seit 28 Jahren präsentiert. Das Unternehmen leidet wie viele seiner Konkurrenten unter dem gebremsten Konsumverhalten. Außerdem kann der Hersteller hochwertiger, aber teurer Audio- und Videoanlagen nicht mehr mit seinem Design punkten, da gerade bei LCD-Fernsehern das von B&O eingeführte strikte Design zum Standard geworden ist.

Der Umsatz sank in den ersten neun Monaten im Vergleich zum Vorjahr um eine Mrd. Kronen auf 2,2 Mrd. Kronen. Die B&O-Aktie stürzte an der Börse in Kopenhagen zwischenzeitlich um rund sieben Prozent, erholte sich aber später wieder.

Auch die Zukunft sieht nach Einschätzung der Unternehmensführung nicht rosig aus: Für das gesamte Geschäftsjahr rechnet B&O mit einem Vorsteuerverlust von 510 Mio. Kronen und einem Umsatz von nur 2,8 Mrd. Kronen. Zuvor war man noch von einem Umsatz von 3,1 bis 3,3 Mrd. Kronen ausgegangen. Neben dem Heimatmarkt Dänemark zählen Deutschland und Großbritannien zu den wichtigsten Absatzmärkten des Unternehmens.

Die Krise kommt nicht überraschend: Der Konzern verzettelte sich vor einigen Jahren und produzierte neben den Audio- und Videoanlagen auch Mobiltelefone. Diese konnten sich jedoch nie am Markt durchsetzen. Seit einem Führungswechsel wollte sich B&O wieder auf das Kerngeschäft konzentrieren, geriet dabei aber in den Strudel der Krise.

Kritiker bemängeln seit längerem, dass die Produktentwicklung zu lange dauert. Als Beispiel nennen sie einen MP3-Spieler, den B&O präsentierte, als der Markt nahezu gesättigt war. Rune Møller, Analyst bei der Jyske Bank zeigte sich gestern allerdings optimistisch. „Das Schlimmste ist bald für B&O vorbei“, sagte der Experte und verwies auf mehrere neue Produkte, die das Unternehmen präsentieren wird. hst

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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