Rekordzahlen des Sportwagenbauers
Nur Italiener kaufen keine Ferraris mehr

Ferrari vermeldet für das vergangene Jahr Rekordergebnisse. Bei Auslieferungen, Umsatz und vor allem beim Nettogewinn legt der Sportwagenbauer zu. Nur im Heimatmarkt schlägt die Wirtschaftskrise voll durch.
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Düsseldorf/MaranelloZum Geburtstag von Firmengründer Enzo Ferrari hat der Sportwagenbauer das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte vorgelegt. Zwar ist der Unternehmensvater vor 25 Jahren verstorben. Doch vom Himmel aus dürfte er mit einem Lächeln auf die Unternehmenszahlen blicken: Im vergangenen Jahr lieferte der Sportwagenbauer rund 7300 Fahrzeugen aus – 4,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Umsatz und Gewinn legten noch deutlicher zu. In den vergangenen 12 Monaten konnte Ferrari einen Umsatz von 2,43 Milliarden Euro (plus acht Prozent) erwirtschaften, übrig blieb ein Nettogewinn von 244 Millionen Euro (+ 17,8 Prozent).

Man sei sehr stolz auf die Ergebnisse, sagte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo, „obwohl die wirtschaftliche Situation in vielen europäischen Ländern ungünstig ist, insbesondere in Italien“. Das Heimatland wird für Ferrari auch zunehmend zum Problem. Im vergangenen Jahr gingen die Auslieferungen um knapp die Hälfte zurück, nur noch 318 Luxuskarossen verkaufte das Unternehmen in Italien.

Stärkster Absatzmarkt für Ferrari sind weiterhin die USA und Kanada. Erstmals habe die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge mit 2058 die 2000er-Marke überschritten. Der Zuwachs betrug 14,6 Prozent. Außerdem konnte der Sportwagenbauer für Deutschland (750 Fahrzeuge), Großbritannien (673), die Schweiz (357) und China (784, inklusive Hongkong und Taiwan) Rekordabsätze vermelden.

Ferrari, das mehrheitlich Fiat gehört, habe im vergangenen Jahr umfangreiche Investitionen vorgenommen, hieß es in einer Mitteilung. 324 Millionen Euro seien für die Unternehmensentwicklung ausgegeben worden.

Längst verdient die Marke mit dem wilden Hengst ihre Geld nicht nur mit schnittigen Sportwagen. Auch das Geschäft mit der Marke blüht. Im Geschäft mit Kappen, Kleidung und anderen Lizenzartikeln stieg die operative Marge im vergangenen Jahr um 40 Prozent. Mittlerweile bringt das Geschäft rund 50 Millionen Euro ein. Im vergangenen Jahr waren über 50 Ferrari Stores weltweit umgebaut worden.

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst

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  • Der Absatzrückgang von Ferrari in Italien hat nichts mit der Krise zu tun, sowas gab es schon früher und hat die Verkäufe wenig reduziert. Und schon gar nicht hat er etwas mit der Qualität zu tun, die Autos haben heutzutage ein dem Preis angemessenes Qualitätsniveau.

    Im letzten Jahr wurde in Italien das Finanzüberwachungssystem SERPICO von der Regierung Monti eingeschaltet. Seither ist es nicht mehr möglich, einen Ferrari (oder eine Jacht) mit Schwarzgeld zu bezahlen, jetzt muss dafür hoch versteuertes Einkommen verwendet werden.

  • Einig sind wir uns darueber dass die Schuldenkrise nichts damit zu tun hat; als Italiener kann ich Ihnen aber versichern dass es 'hauptsaechlich' damit zusammenhaengt dass jeder der ein z.B. Ferrari kauft, und wenn er sich das Geld ueber sein Leber erspart hat, von Fiskus ein Einkommen in Hoehe von 5 - 10 x Kaufpreis unterstellt bekommt und entsprechend besteuert wird. Der Beweis eines tatsaechlich niedrigeren Einkommen ist nicht zulaessig. Viel Spass damit!

  • Die Schuldenkrise sollte für potenzielle Ferrarikunden auch in Italien keine Rolle spielen. Vielmehr wird der Absatzrückgang im Ferrari-Heimatland damit zu tun haben, dass man dort aus nächster Quelle mitbekommt, was Ferrari technisch so hergibt. Wenn man die Ferrarizahlen hier so liest, dann bleibt nur eine Schlussfolgerung. Umsatz und Gewinnsteigerung durch Preiserhöhung. Die Absatzsteigerung ist ja nur minimal. Vielleicht noch je Menge Umsatz durch teure Werkstattaufenthalte. Ich sag nur, einmal Hamburg - Berlin und du brauchst einen Zahnriemenwechsel. Wem's Spaß macht.

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